Braunkohlegegner und Klimaschützer kündigen neue Proteste an

15.08.2021 Nach dem Hambacher Forst ist der Tagebau Garzweiler der Brennpunkt von Aktionen. Braunkohlegegner und Klimaschützer protestieren gegen ein Weiterso mit dem Abriss von Dörfern und dem Abholzen von Bäumen. Lokalen Initiativen erhielten am Sonntag prominente Unterstützung.

Umweltaktivisten wandern am Garzweiler Tagebau, einer der Aktivisten hält eine Flagge mit der Aufschrift «Stoppt Braunkohle». Foto: David Young/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Braunkohlegegner und Klimaschützer haben für die kommenden Monate entschiedenen Protest gegen einen weiteren Abriss von Häusern und Baumfällaktionen am Tagebau Garzweiler im rheinischen Revier angekündigt. Ein Konzert zwischen Kohlebändern in dem Tagebaugelände und die Installation eines Baumhauses in einer Baumkrone des Dorfes Lützerath am Sonntag stellten nach Angaben der Organisatoren nur den Auftakt für sehr viele weitere Aktionen dar. Klimaaktivistin Luisa Neubauer kritisierte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit örtlichen Initiativen Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) scharf, der auch Kanzlerkandidat der Union ist.

«Wir sagen hier nicht nur kein Grad weiter, wir sagen auch kein Dorf weiter. Und zwar ganz deutlich und ganz klar, heute, morgen und übermorgen», sagte Neubauer. «Und wir sagen auch ganz deutlich, alle Dörfer bleiben, Armin Laschet muss es nicht.» Es sei gesagt worden, dass es keine Partei mit einem ausreichenden Plan gebe, erklärte sie in Bezug auf die Klimakrise. «Aber mit dieser Wahl - und das müssen wir ganz deutlich sagen - können wir sehr viel Schlimmes verhindern.» Und man könne dafür sorgen, dass die nächste Regierung zumindest eine Art ökologische Bereitschaft habe. «Und wir werden deutlich machen, dass wenn Armin Laschet sagt, er möchte den Bund so regieren wie NRW, dass wir ganz, ganz deutlich nein danke sagen», betonte sie. Auch in den Straßen in Düsseldorf und überall wolle man dafür sorgen, dass die Menschen erfahren, was in dem Braunkohlegebiet passiere.

Zuvor hatten lokale Bündnisse auf drohende Szenarien hingewiesen. «Wir akzeptieren nicht, dass die Zerstörung von Leben weitergeht, hier nicht und nirgendwo auf der Welt», sagte Jësse Dittmar von der Initiative «Lützerath bleibt». Schon ab Oktober könnte RWE mit einer Rodung beginnen. «Aber egal, wie viel Hundertschaften bewaffneter Polizei hierher nach Lützerath entsandt werden, wir werden uns der Zerstörung entgegenstellen.» Ab November drohe der Abriss des Dorfes Lützerath. Die 1,5-Grad-Erwärmungsgrenze verlaufe hier am Tagebau.

Nach Polizeiangaben sind bei der Protestaktion am Sonntag auf das Gelände des Tagebaus Garzweiler etwa 90 Teilnehmer vorgedrungen, die sich an mehreren Stellen Zutritt zu dem Werksgelände verschafft und dort musiziert hätten. Ein Security-Mitarbeiter sei verletzt worden. Zu den Umständen und wegen Hausfriedensbruchs liefen Ermittlungen. Zwei von drei Gruppen hätten bis zum frühen Nachmittag das Gelände wieder verlassen. Vorläufige Festnahmen habe es nicht gegeben.

RWE Power erklärte, die Aktivisten hätten sich selbst in Gefahr gebracht, als sie steile Böschungen hinuntergestiegen und durch Bandanlagen gegangen seien. «Ein Mitarbeiter des RWE-Werkschutzes ist bei einem gewaltsamen Übergriff derart angegangen worden, dass er kurzzeitig bewusstlos war und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste», erklärte das Unternehmen. Man werde Straftaten anzeigen. Die Förderbänder in dem Tagebau hätten zeitweise stillgestanden, der Betrieb der Kraftwerke sei aber uneingeschränkt weitergelaufen.

Die Aktion «Lebenslaute» berichtete in der Pressekonferenz, dass Teilnehmer zwischen stehenden Kohlebändern musiziert hätten, die gar nicht erst angelaufen seien. «Wir sind heut morgen mit «Lebenslaute» vor Sonnenaufgang an mehreren Stellen bis runter in den Tagebau gekommen», erklärte eine Vertreterin bei der Pressekonferenz. So sei eine Gruppe unter einem Kohleband hindurchgekrabbelt und habe dann zwischen Bändern musiziert. Es seien Bach-Suiten gespielt worden. Zu den Vorwürfen von RWE war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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