Laschet verspricht Hochwasserhilfe: Tempo beim Klimaschutz

15.07.2021 Die Flut ist eine menschliche Katastrophe für etliche Betroffene auch in NRW. Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Laschet will den Menschen vor Ort beistehen - ohne Wahlkampf im Hochwasser zu machen.

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Foto: Roberto Pfeil/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die besonders von der Flutkatastrophe in Norderhein-Westfalen betroffenen Städte und Kreise sollen Hilfe vom Land erhalten. Das sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstag bei einem Ortsbesuch der besonders vom Hochwasser heimgesuchten Stadt Hagen zu.

In einer Sondersitzung werde das Landeskabinett die Lage an diesem Freitag genau analysieren, kündigte Laschet an. Noch sei der Umfang der Hilfen nicht zu beziffern, weil das konkrete Ausmaß der Schäden nicht bekannt sei. Die Hilfen sollten greifen, wenn etwa Brücken und weitere Infrastruktur geschädigt seien. In Gesprächen mit der Deutschen Bahn werde geklärt, wie im Bereich der Schienenwege Schäden schnellstens behoben werden könnten. Bei Privatleuten und Unternehmen sei davon auszugehen, dass ihre Versicherungen für die Schäden einträten - etwa für weggespülte Autos, sagte Laschet.

Der Unionskanzlerkandidat hatte sich am Vormittag in Altena und in Hagen, beide im Märkischen Kreis, über die Hochwasser-Lage informieren lassen. Dafür hatte der CDU-Bundesvorsitzende seine Reise durch Süddeutschland unterbrochen und hatte in Hagen übernachtet.

Es habe im ganzen Land keine andere Stadt gegeben, wo sich die Hochwasserlage schon am Mittwoch so dramatisch entwickelt habe wie in Hagen, sagte Laschet. Das vorausschauende Handeln der dort Verantwortlichen habe eine noch größere Katastrophe verhindert. Hier seien nach ersten Hinweisen des Deutschen Wetterdienstes schon Vorbereitungen für den Krisenstab getroffen worden, als noch die Sonne geschienen und niemand geahnt habe, was passieren würde, lobte Laschet.

Sehr hilfreich sei dabei auch der schnelle unbürokratische Einsatz der Bundeswehr gewesen, die dafür gesorgt habe, dass kein Ortsteil von Hagen mehr abgeschottet sei. «Die Bundeswehr hat die Wege frei gemacht.» Laschet dankte auch allen anderen Helfern in der Not.

Nach Altena sei er am frühen Morgen ohne Medienbegleitung gefahren, um denen beizustehen, die einen Kameraden im Rettungseinsatz verloren hätten, erklärte Laschet. Dort war am Mittwoch ein 46-jähriger Feuerwehrmann ums Leben gekommen, der zuvor einen Menschen gerettet hatte.

Der Familienvater sei bei seinem Einsatz von den Wassermassen ergriffen worden, sagte Laschet. «Und das zeigt, dass das, was wir hier so abstrakt beschreiben, für eine Familie jetzt ganz konkret bedeutet, dass man den Vater verloren hat, der sich für die Gemeinschaft eingesetzt hat. Kein Wort, was wir sprechen, kann diesen Verlust ersetzen.» Im benachbarten Werdohl hatte ein 52-jähriger Feuerwehrmann im Einsatz einen Herzinfarkt erlitten.

«Wir haben noch kein genaues Lagebild über die Opfer», sagte Laschet. Das Land helfe bei der Suche nach Vermissten mit Hubschraubern. «Viele Menschen haben alles, was sie besitzen, verloren, weil die Schlammmassen in einige Häuser eingedrungen sind.» Auch Unternehmen hätten Totalschäden zu beklagen.

Es sei klar, dass die zunehmenden Starkregen- und Hitzereignisse mit dem Klimawandel verbunden seien, sagte Laschet, der auch Kanzlerkandidat der Union ist. «Wir werden immer wieder mit solchen Krisen konfrontiert werden.» Nun sei weltweit mehr Dynamik beim Klimaschutz und der nötigen Anpassung an den Wandel erforderlich. NRW sei auf dem Weg mit dem kürzlich im Düsseldorfer Landtag verabschiedeten bundesweit ersten Klimaanpassungsgesetz vorangegangen.

Seine Bundestagswahlkampf-Tour sei unmittelbar nach Bekanntwerden der Flut-Katastrophe abgebrochen worden, sagte Laschet, der einen Termin in Stuttgart und seine Teilnahme an der CSU-Landesgruppenklausur in Bayern abgesagt hatte. Jeder Ministerpräsident, der sein Amt ernst nimmt, ist in einem solchen Moment bei den Menschen vor Ort, Wahlkampf hin oder her.» Er wolle dabei den Betroffenen beistehen und keine medialen «Bilder erzeugen», versicherte der 60-Jährige. «Das Wichtige ist, dass man da ist.»

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