Missbrauchskomplex Münster: Mutter eines Opfers vor Gericht

07.07.2021 Nach dem Ende des Hauptverfahrens im Missbrauchskomplex Münster steht ab dem 5. August die Mutter eines der schwer sexuell missbrauchten Kinder vor Gericht. Das Landgericht Münster hat die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen die 31-Jährige wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Kindesmissbrauch durch Unterlassen zugelassen, wie ein Sprecher des Gerichts der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch sagte. Bis Ende September sind neun Verhandlungstage angesetzt.

Vor dem Landgericht hält eine Statue der Justitia eine Waagschale. Foto: Stefan Puchner/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Laut Anklage geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Frau spätestens seit Oktober 2018 gewusst haben soll, dass ihr Lebensgefährte sich wiederholt an ihrem Sohn vergangen hat. Dies soll er ihr während eines gemeinsamen Urlaubs gestanden haben, ohne dass sie die Beziehung beendete. Sie soll daraufhin ihr leibliches Kind dem 28-Jährigen ungeschützt überlassen haben, statt es zu schützen. Der Deutsche wurde am Dienstag zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Bei Missbrauchstaten in der eigenen Wohnung sei sie nach den Ermittlungen meistens nicht dabei gewesen. Einige Taten soll sie aber mitbekommen haben. Laut Anklage besteht der Verdacht, dass sie bei zwei Gelegenheiten in Gegenwart des heute elf Jahre alten Jungen Sex mit ihrem Lebensgefährten hatte, einmal soll sie anschließend den Sohn ermuntert haben, eine sexuelle Handlung an dem heute 28-Jährigen vorzunehmen. Die anschließende Vergewaltigung soll sie mitbekommen und nicht verhindert haben.

Nachzuweisen war es der Frau bislang nicht, dass sie auch von Gewalttaten anderer Männer gegen ihren Sohn gewusst hat. Sie war Anfang Februar festgenommen worden, nachdem die Auswertung zahlreicher IT-Asservate sowie die Aussage eines weiteren Tatverdächtigen die Vorwürfe gegen sie erhärtet hatten. Zu den Vorwürfen schweigt sie.

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Der Fall kam im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht. Im Zuge dessen hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben. Am Dienstag waren im Hauptprozess vier Männer, darunter der Drahtzieher, zu Haftstrafen zwischen 10 und 14 Jahren und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Die Mutter des Haupttäters wurde wegen Beihilfe zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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