«Grüner» Wasserstoff von Shell: Elektrolyse-Anlage gestartet

02.07.2021 In Deutschland sollen klimaschädliche CO2-Emissionen schneller reduziert werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei Wasserstoff. Im Rheinland beginnt jetzt die Produktion. Es soll erst der Anfang sein.

Bart Biebuyck (l-r), Hubert Vigeveno, Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Bundesvorsitzender und Kanzlerkandidat der CDU, Kerstin Andreae und Jens Geier legen symbolisch einen Schalter um. Der Energiekonzern Shell nimmt eine Wasserstoff-Elektrolyseanlage in Betrieb. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Für den klimaneutralen Umbau der Industrie in Deutschland werden riesige Mengen an «grünem» Wasserstoff benötigt. Der Öl- und Erdgaskonzern Shell ist nun in Wesseling in die Produktion eingestiegen - dies zunächst im kleinen Umfang. Im Beisein von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ging am Freitag eine Anlage zur Wasserstoff-Elektrolyse in Betrieb. Sie hat eine Leistung von 10 Megawatt und kann nach Firmenangaben pro Jahr bis zu 1300 Tonnen «grünen» Wasserstoff produzieren. Grüner Wasserstoff wird mit Ökostrom gewonnen, Kohle spielt keine Rolle.

«Diese Anlage weist den Weg in Richtung Klimaneutralität», sagte Laschet. Er wies auf das Ziel von NRW hin, den CO2-Ausstoß in den kommenden Jahren deutlich zu senken und bis zum Jahr 2045 sogar «klimaneutral» zu sein. Er sprach von einem «Startschuss in ein klimaneutrales Industrieland». Laschet wertete Wasserstoff als sehr wichtig, um Industrie-Arbeitsplätze in Deutschland zu halten und zugleich beim Klimaschutz voranzukommen. «Wasserstoff ist ein vielseitiger Energieträger, ein flexibler Energiespeicher und ein wichtiger Grundstoff für chemische Prozesse», sagte der CDU-Politiker. «So kann man Dekarbonisierung voranbringen.»

Laschet gab aber zu bedenken, es «wäre eine Illusion zu glauben, dass die Mengen Wasserstoff, die wir in Deutschland brauchen, hier in Deutschland produzierbar wären - so viel werden wir gar nicht schaffen». Internationale Energiekooperationen zum Beispiel mit arabischen Staaten seien daher von großer Bedeutung. Nach seiner Rede legte der Ministerpräsident den symbolischen Hebel für den Betriebsstart um.

Der SPD-Europaabgeordnete Jens Geier sagte zu der Anlage, im Sinne der CO2-Reduktion sei Wasserstoff unerlässlich: «Ich bin froh, dass wir nicht mehr in der Theorie sind - wir sind nicht mehr im Ausprobieren, sondern im Umsetzen.» Der erste Schritt von Shell auf einer langen Reise sei zu begrüßen.

Shell plant in Wesseling bereits eine Elektrolyse-Anlage mit 100 Megawatt Leistung. Der Bau könnte 2022 beginnen, und die Inbetriebnahme könnte Ende 2024 erfolgen, eine endgültige Investitionsentscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Stahlhütten, Chemiefabriken und Zementwerke benötigen Wasserstoff, um künftig bei der Produktion kein klimaschädliches Kohlendioxid mehr auszustoßen. Auch synthetische Brenn- und Kraftstoffe können mit Wasserstoff hergestellt und im Transportbereich eingesetzt werden. Die EU und der Bund unterstützen den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft mit Milliardensummen. Auch die neue Anlage in Wesseling, die Shell mit mehreren Partnern errichtet hat, wurde mit Geld aus Brüssel gefördert.

Shell will zum führenden Anbieter von «grünem» Wasserstoff für Industrie- und Transportkunden in Deutschland werden. Shell-Deutschlandchef Fabian Ziegler betonte, dass es seine Firma ernst meine mit der CO2-Reduktion. Shell verursache direkt ein Prozent der deutschen Emissionen und indirekt neun Prozent. Damit ist der CO2-Ausstoß gemeint, wenn etwa Autofahrer bei Shell Benzin tanken und beim Fahren CO2 in die Luft abgegeben wird.

«Einfach gesagt heißt das, dass wir 10 Prozent oder mehr zur deutschen Energiewende beitragen wollen», sagte Ziegler. Man habe einen klaren Plan, wie man seine deutschen CO2-Emissionen entsprechend reduzieren werde und zum «Netto-Null-Emissionsunternehmen» werde. Shells neue Wasserstoff-Anlage soll ein Baustein sein. Der Konzern will weg vom Erdöl und seine weltweite Produktion fossiler Kraftstoffe bis 2030 um 55 Prozent senken.

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