Produktionsstillstand überschattet Ford-Jubiläum in Köln

03.05.2021 Vor 90 Jahren lief in der Domstadt der erste in Deutschland gebaute Ford vom Band. Doch ausgerechnet zum Jubiläum stehen die Bänder in den Kölner Ford-Werken still. Grund dafür ist der Mangel an Halbleiter-Chips. Tausende Mitarbeiter sind betroffen.

Das Logo von Ford ist auf einem Fahrzeug zu sehen. Foto: Gene J. Puskar/AP/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Kölner Ford-Werke hätten in dieser Woche eigentlich Grund zum Feiern: Vor 90 Jahren - am 4. Mai 1931 - lief in der Domstadt das erste in Deutschland gebaute Ford-Modell vom Band. Doch ausgerechnet zum Jubiläum musste der US-Autokonzern seine Produktion in den riesigen Fertigungshallen in Köln-Niehl vorläufig einstellen. Der Grund dafür sind Lieferengpässe bei den heutzutage für die Autoproduktion unverzichtbaren Halbleiterchips.

Ford steht mit den Problemen nicht allein. Auch Hersteller wie Audi und Daimler haben Produktionseinschränkungen angekündigt. Doch trifft es Ford sehr hart. In den nächsten Monaten werden die Fließbänder in Köln nur an wenigen Tagen laufen. Der Konzern habe für die Zeit vom 3. Mai bis zum 18. Juni sowie vom 30. Juni bis zum 9. Juli mit der Arbeitnehmervertretung Kurzarbeit in der Produktion vereinbart, sagte am Montag ein Unternehmenssprecher. In dieser Zeit stünden die Bänder still. An den zweiten Produktionsstillstand schließen sich nahtlos die Werksferien an. Die Produktion starte wieder 16. August, hieß es.

Das heißt: Lediglich an den Tagen vom 19. bis zum 29. Juni werden voraussichtlich in Köln die Fließbänder laufen. Betroffen seien rund 5000 der 15 000 Mitarbeiter in der Domstadt. «Die ausgefallene Produktion werden wir bestmöglich aufholen», versprach ein Ford-Sprecher. «Wir arbeiten daran, die Situation schnellstmöglich zu verbessern.» Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung über den Produktionsstopp berichtet.

Auch im Ford-Werk in Saarlouis wird die Produktion vom 3. bis zum 18. Mai und vom 25. Mai bis zum 7. Juni ruhen. Das hatte das Unternehmen bereits kürzlich bekannt gegeben. Dort sind 4500 Mitarbeiter betroffen. Über weitere Kurzarbeitstage in Saarlouis werde verhandelt, hieß es bei Ford.

Der Produktionsstopp überschattet das 90-jährige Firmenjubiläum der Kölner Ford-Werke. Ford startete seine Produktion am Rhein am 4. Mai 1931 mit 619 Mitarbeitern und einer Tageskapazität von 60 Einheiten, wie der Konzern am Montag berichtete. Der erste Ford «Made in Cologne» war ein Lastwagen - das Modell AA. Heute sind die Ford-Werke nach eigenen Angaben mit mehr als 15 000 Beschäftigten der größte private Arbeitgeber Kölns. Und wenn tatsächlich produziert wird, laufen täglich rund 1000 Fahrzeuge vom Band.

Die Geschichte von Ford in Deutschland begann sogar bereits sechs Jahre zuvor - an der Spree, nicht am Rhein. Am 18. August 1925 wurde die Ford Motor AG ins Berliner Handelsregister eingetragen. In gemieteten Werkhallen am Berliner Westhafen setzten die ersten deutschen Ford-Beschäftigten das legendäre T-Modell aus vorgefertigten, per Schiff aus den USA angelieferten Teilen zusammen.

In den folgenden Jahren suchte Henry Ford nach einem Produktionsstandort in Deutschland. Die Wahl fiel auf Köln, auch weil der damalige Oberbürgermeister der Rheinmetropole, Konrad Adenauer, sich vehement für Köln als Ford-Standort einsetzte. Und so legten OB Adenauer und der legendäre Firmengründer Henry Ford am 2. Oktober 1930 den Grundstein für die Kölner Ford-Werke. Bereits sieben Monate später rollte das erste Modell vom Band.

Seit der Inbetriebnahme des Werks vor 90 Jahren liefen fast 18 Millionen Fahrzeuge in Köln vom Band. Darunter automobile Klassiker wie der Ford Taunus und der Ford Capri. Das am längsten und am meisten produzierte Kölner Modell ist jedoch der Kleinwagen Fiesta mit mehr als neun Millionen Exemplaren.

In den Kölner Ford-Werken soll 2023 auch das erste rein elektrische Volumenmodell von Ford in Europa vom Band laufen. In den Ausbau des Kölner Werks zum E-Mobilitätszentrum steckt Ford nach eigenen Angaben eine Milliarde US-Dollar. Dies sei die größte Investition am Standort Köln in der 90-jährigen Werksgeschichte.

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