Reul bei Ausgangskontrollen: «So gut wie niemanden erlebt»

25.04.2021 Seit Samstag gelten auch in Nordrhein-Westfalen die bundesweiten Ausgangsbeschränkungen in Regionen mit vielen Neuinfektionen. Große Probleme melden die Behörden zunächst nicht. Unterdessen sollen bald alle Grund- und Förderschüler neue Corona-Tests erhalten.

Herbert Reul (M), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, spricht mit Beamten der Polizei und dem Ordnungsamt an der Weseler Straße in Marxloh. Foto: Fabian Strauch/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Am ersten Wochenende mit neuen Corona-Ausgangsbeschränkungen haben sich die meisten Bürger in Nordrhein-Westfalen an die neuen Regeln gehalten. Polizeistellen meldeten keine großen Probleme. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Aus meiner Sicht haben sich die Menschen an diesem ersten Wochenende mit Ausgangssperre großartig verhalten.» Man könne sich nur bedanken.

Neu waren die Einschränkungen etwa in Düsseldorf. «Es war auffällig ruhig», sagte ein Polizeisprecher. Die Altstadt sei fast menschenleer gewesen. Auch in Recklinghausen waren Streifenbeamte in der Nacht unterwegs, wurden aber zu keinen Einsätzen gerufen. «Es war alles so, wie es sein sollte», sagte ein Sprecher. In Bonn beschrieb ein Polizeisprecher die nächtliche Lage als «extrem ruhig». Es habe aber sehr viele Bürgeranfragen zu den Ausgangsbeschränkungen gegeben.

In NRW greifen - wie in ganz Deutschland - seit dem Wochenende die neuen bundesweiten Ausgangsbeschränkungen in Regionen mit hohen Corona-Neuinfektionszahlen. Sie traten in allen Städten und Kreisen in Kraft, die drei Tage lang eine Neuinfektionsrate von mindestens 100 gerechnet auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen aufwiesen.

Zwischen 22.00 und 5.00 Uhr darf man eine Wohnung oder Unterkunft samt Grundstück dann nicht mehr verlassen. Ausnahmen gibt es etwa aus medizinischen oder beruflichen Gründen sowie zur Betreuung von Kindern oder Hilfsbedürftigen sowie zur Versorgung von Tieren. Bewegung an frischer Luft bleibt bis Mitternacht erlaubt, allerdings nur alleine und nicht in Sportanlagen.

NRW-Innenminister Herbert Reul machte sich selbst einen Eindruck von der Situation und begleitete in der Nacht zu Sonntag Polizei und Ordnungsamt in Duisburg. «Wir haben auf der Straße so gut wie niemanden erlebt, es haben sich fast alle an die Regeln gehalten. Diejenigen, die wir angetroffen haben, waren auf dem Heimweg oder hatten einen wichtigen Grund», schilderte er. Wichtig sei aber das Signal: Die Regeln seien ernst gemeint.

Die relevante Marke von 100 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen 7 Tagen wird mittlerweile fast überall in NRW übertroffen. Ausnahmen bilden die Landkreise Coesfeld (92) und Höxter (74,2) sowie Münster, das nur knapp um die sogenannte Bundesnotbremse herumkam. Die Corona-Wocheninzidenz in der Stadt sank nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) am Sonntag auf 98,6 - nachdem sie am Freitag (107) und Samstag (104) über der kritischen Marke gelegen hatte. In ganz NRW kletterte die Wocheninzidenz allerdings weiter in die Höhe. Am Sonntag lag sie bei 185,9.

Am Sonntagabend kündigte das Gesundheitsministerium weitere Einschränkungen im Zuge der Regelung durch die bundesweite Notbremse an. So soll von Dienstag an zusätzlich im Kreis Heinsberg und in der Stadt Oberhausen das Einkaufen mit Terminvereinbarung untersagt werden, wie es die Bundes-Notbremse ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 150 vorsieht. Liegt der Wert höher als 165, werden Schulen ab dem übernächsten Tag geschlossen, alle Schülerinnen und Schüler haben dann Distanzunterricht. Das gelte ab Dienstag zusätzlich in der Stadt Bielefeld und im Kreis Herford. Im Rahmen der Notbremse sind Ausnahmen für Abschlussklassen und Förderschulen möglich.

Unterdessen kündigte das Land an, bis Mitte Mai an allen Grund- und Förderschulen sogenannte Lolli-Tests zum Erkennen von Corona-Infektionen anbieten zu wollen. Der Umfang sei gewaltig, sagte Schul-Staatssekretär Mathias Richter der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ, Montagsausgabe). «Wir reden hier über fast 735 000 Kinder, dafür benötigen wir derzeit Laborkapazitäten für rund 35 000 Tests am Tag.»

Bei der sogenannten Lolli-Methode muss kein Stäbchen in die Nase oder tiefer in den Rachen geführt werden. Kinder lutschen stattdessen 30 Sekunden lang an einem Abstrichtupfer - dem «Lolli». Es handelt sich um PCR-Tests, die beim Erkennen von Infektionen mit dem Coronavirus als sehr genau gelten. In Köln sind die Tests bereits in Kitas und Schulen im Einsatz.

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