«Alles verbrannt»: Amanals Albträume von Heimat und Familie

26.03.2021 Große Sorgen um seine Familie und die Heimat werden Amanal Petros auch auf dem Weg zum olympischen Marathon begleiten. «Das ist brutal hart! Manchmal schläft man sehr schlecht und träumt schlecht. Das belastet mich brutal», sagte der Leichtathlet vom TV Wattenscheid der Deutschen Presse-Agentur. Der 25-Jährige hat seine lange verschollene Familie inzwischen zwar aufgespürt und endlich auch Kontakt zu den drei Frauen an der äthiopisch-sudanesischen Grenze. Aber seine Mutter und die beiden Schwestern sind weiter in Gefahr, denn der Krieg in der Region Tigray ist nicht vorbei.

Der Marathonläufer Amanal Petros vom TV Wattenscheid. Foto: Roland Weihrauch/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kontakt zu seinen Lieben hält Petros über einen guten Freund aus Mekele, der Hauptstadt der Kriegsregion. «Dort kann ich auf keinen Fall hin. In Tigray ist alles furchtbar, alles kaputt. Da tobt immer noch Krieg», erzählte Petros verzweifelt. «Wir haben keine Krankenhäuser mehr, keine Kliniken, keine Apotheke, keine einzige Fabrik steht mehr. Alles zerstört, alles verbrannt, null.» Sein Freund fährt einmal in der Woche zu den Frauen. «Und er sagt mir dann, was meine Familie braucht, was sie sagt, wie die Lage ist», berichtete der deutsche Marathon-Rekordhalter.

Sein nächstes Ziel steht fest. «Ich muss sie unbedingt nach Sudan bringen - da sind sie auf jeden Fall sicherer als jetzt», meinte Petros. Eine Flucht über die Grenze sei aber «sehr gefährlich, richtig gruselig. Da wurden schon viele Frauen vergewaltigt. Ich suche jetzt eine sichere Lösung mit möglichst wenig Risiko», erzählte der in Eritrea geborene junge Mann, der in Äthiopien aufwuchs und im Januar 2012 als Flüchtling aus Tigray nach Deutschland kam. Im Oktober 2015 wurde er eingebürgert.

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