Teyssen zieht Bilanz: Eon ist «pandemie- und wetterfest»

24.03.2021 Jahrelang hatte Eon mit Strom aus Kohle und Kernenergie viel Geld verdient. Dann zwangen Atomausstieg und Energiewende Konzernchef Teyssen zu einem radikalen Umbau. Bei seinem Abschied glänzt nicht alles.

Das Logo des Energiekonzerns Eon ist an einem Gebäude zu sehen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Deutschlands größter Energieversorger Eon hat das Corona-Jahr 2020 ohne größere Blessuren überstanden und will mit einem neuen Vorstandschef die Früchte des jahrelangen Konzernumbaus ernten. «Eon ist pandemie- und wetterfest», sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen am Mittwoch auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz. Der einstige Kohle- und Atomkonzern sei «wieder ein leistungsstarker Energiedienstleister mit europäischen Ambitionen». Teyssen (61) gibt das Ruder bei Eon nach fast elf Jahren zum 1. April an Leonhard Birnbaum (54) ab.

Nach Milliardenverlusten durch einen missglückten Expansionskurs, den Atomausstieg und die beginnende Energiewende hatte Teyssen Eon in den vergangenen Jahren radikal umgekrempelt. Zuerst stieß er die Kohle- und Gaskraftwerke ab, dann einigte er sich mit dem alten Rivalen RWE auf einen spektakulären Deal. Eon übernahm die Energienetze und das Kundengeschäft der RWE-Tochter Innogy und gab seine erneuerbaren Energien an RWE ab.

Seitdem betreibt Eon das mit einer Länge von rund 700 000 Kilometern umfassendste Stromnetz in Deutschland und beliefert knapp 14 Millionen Kunden mit Strom. Die können wohl nicht rasch mit spürbaren Preissenkungen rechnen. Eine kurzfristige Prognose für den Strompreis könne er nicht abgeben, sagte der Eon-Chef.

Auf längere Sicht werde der Preis aber zurückgehen. Es werde «eine große Flut an erneuerbaren Energien» geben. «Das muss die Haushaltspreise senken.» Sein Nachfolger Birnbaum sieht das ähnlich. Neue erneuerbare Anlagen würden «in einigen Jahren billiger sein als bestehende konventionelle Anlagen». Dann werde die Preisentwicklung «automatisch kippen».

Das vergangene Jahr hatte Eon mit einem bereinigten Konzernüberschuss von gut 1,6 Milliarden Euro abgeschlossen, nach 1,5 Milliarden Euro auf Pro-Forma-Basis in 2019. Unterm Strich standen 2020 rund 1,3 Mrd Euro. Die finanzielle Belastung durch die Corona-Pandemie bezifferte Eon auf 280 Millionen Euro. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern ein Nettoergebnis von 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro. Darin sei aber noch nicht die am Mittwoch vom Bundeskabinett gebilligte Einigung über den vorzeitigen Atomausstieg enthalten. Teyssen bezifferte den finanziellen Vorteil für Eon auf insgesamt 500 bis 600 Millionen Euro.

Eon will bis 2024 durch die Innogy-Übernahme 780 Millionen Euro an wiederkehrenden Einsparungen erzielen. Bis Ende 2020 seien davon bereits 130 Millionen Euro realisiert worden. Mittelfristig will Eon rund 10 000 seiner derzeit etwa 79 000 Stellen streichen. Davon entfallen 5000 auf die Integration von Innogy. Einen großen Teil der übrigen Jobs will Eon im Vertriebsgeschäft in Großbritannien abbauen, wo der Konzern in diesem Jahr erstmals wieder schwarze Zahlen schreiben will.

An der Börse hatte die neue Eon bislang keine große Begeisterung ausgelöst. Der Aktienkurs ist seit der Bekanntgabe des Deals mit RWE kaum von der Stelle gekommen, während die RWE-Aktie deutlich zugelegt hat. Teyssen räumte ein, dass er sich «einen besseren Kurs zum Abschied» gewünscht hätte. Mit der Sanierung des Geschäfts in Großbritannien und dem schneller als geplant vorangekommenen Schuldenabbau könne Eon «zwei wesentliche Sorgenkinder zu Grabe tragen». An der Börse habe die Aktie ein «beträchtliches Aufholpotenzial», weil der Konzern mit den Netzen «das attraktivste Geschäft bei der Energiewende» besitze.

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