Dortmund will Schulen dichtmachen: Erste Boykott-Fälle

16.03.2021 Dortmund will alle Schulen schließen. Und vereinzelt boykottieren erste Schulen offenbar die weitere Rückkehr in den Präsenzunterricht - trotz klarer Landesvorgabe. Der Druck auf die Landesregierung wächst.

In einem leeren Klassenzimmer stehen die Stühle auf den Tischen. Foto: Annette Riedl/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die drittgröße NRW-Stadt Dortmund will alle Schulen angesichts steigender Corona-Infektionszahlen und dem Astrazeneca-Impfstoffstopp am Mittwoch schließen. «Wir sind der festen Überzeugung, dass es in diesem Moment überhaupt keinen Sinn macht, die Schulen zu öffnen. Deswegen haben wir den dringenden Appell an die Schulministerin, die Schulöffnung und das Hochfahren des Präsenzunterrichts sofort zu beenden», sagte Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung des Verwaltungsvorstandes.

Die Stadt habe gegenüber dem NRW-Gesundheitsministerium angezeigt, dass Dortmund beabsichtige, die Schulen ab Mittwoch zu schließen. «Jetzt warten wir mal auf die Antwort», sagte Westphal. Höre man nichts, setzte man den Plan um. Das gelte für alle Schulen, auch für die Grundschulen. Ausnahmen solle es geben für Abschlussklassen und Notfallbetreuung. Aus Sicht der Stadt ist das Öffnungskonzept der Schulen geknüpft an Impfungen und Tests, erklärte der SPD-Politiker. Seit Bekanntgabe des vorläufigen Impfstopps von Astrazeneca fehle die Geschäftsgrundlage für diesen Gesamtplan von «Impfen, Testen, Öffnen». Man habe die Lehrer mit Astrazeneca impfen wollen, das sei jetzt unmöglich.

Das Düsseldorfer Schulministerium machte zunächst keine Angaben dazu, wie sich das Land zu dem Vorstoß aus Dortmund verhalten wird. Zuvor hatte der WDR berichtet. Die wichtige Kennziffer der Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag laut Robert Koch-Institut NRW-weit bei 82,9 und in Dortmund bei 71,2 Neuinfektionen unter 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (beide CDU) wollten sich am Nachmittag allgemein zur Lage in der Pandemie äußern.

Das Schulministerium hatte vor einigen Tagen landesweit vorgegeben, dass alle Schüler bis zu den Osterferien zumindest tageweise wieder in die Klassenräume zurückkehren - im Wechselmodus und in halber Klassenstärke. Den Anfang hatten Grundschüler und Abschlussklassen schon Mitte Februar gemacht. Und am vergangenen Montag folgten nun neu auch alle Jahrgänge der Klassen fünf bis zehn - nach Landesplanung mit teilweisem Präsenzunterricht zunächst bis zum letzten Schultag vor Ostern am 26. März.

Erste Schulen boykottieren aber nach Medienberichten bereits die Vorgabe aus Düsseldorf. Die «Rheinische Post» berichtete über ein Berufskolleg, das in Wipperfürth (Oberbergischer Kreis) und in Wermelskirchen (Rheinisch-Bergischer Kreis) für die Jahrgangsstufen fünf bis zehn beim Online-Modus bleibt. Aus den beiden Kreisen und aus dem Schulministerium gab es dazu zunächst keine Angaben.

Im Kreis Düren seien jedenfalls keine Verweigerer unter den Schulen bekannt, sagte ein Sprecher. Der Kreis war in der vergangenen Woche in den öffentlichen Fokus gerückt, weil er beantragt hatte, Öffnungsschritte wegen gestiegener Zahlen bis Ostern aussetzen zu dürfen. Die Ablehnung des Schulministeriums sei bei Schülern, Eltern und Lehrern auf viel Kritik gestoßen, betonte der Kreissprecher. Es sei nicht auszuschließen, dass Eltern ihre Kinder nicht in den Präsenzunterricht schickten.

Der Oberbergische Kreis wollte den Präsenzunterricht der Stufen fünf bis zehn eigentlich ebenfalls weiter aussetzen. Das Gesundheitsministerium habe aber mitgeteilt, Einschränkungen kämen erst als letztes unausweichliches Mittel der Pandemie-Bekämpfung in Betracht, gab der Kreis das Ministerium wieder.

Der Geschäftsführer des Städtetages NRW, Helmut Dedy, forderte: «Die Entscheidung, ob wegen hoher Infektionszahlen Schulen geschlossen werden müssen, müssen die Städte vor Ort treffen können.» Das Infektionsgeschehen sei in NRW zu unterschiedlich, «um alles über einen Kamm zu scheren», sagte er der dpa.

Kritik an den Öffnungen war auch von den Gewerkschaften GEW und VBE, aus der Elternschaft und von der Opposition gekommen. Sie galt auch den Selbsttests. Diese gelten als wichtiger Baustein in der Pandemie-Bekämpfung. An alle weiterführenden Schulen in NRW sollte von diesem Dienstag an für jeden Schüler nur ein Test ausgegeben werden - bis zu den Osterferien 1,8 Millionen Stück insgesamt. In den weiterführenden Schulen soll unter Aufsicht des Schulpersonals getestet werden. Es gab am Dienstag zunächst keine Informationen aus dem Schulministerium dazu, wie die Ausgabe angelaufen ist. Auch der Städtetag NRW hatte darüber zunächst keinen Überblick.

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