Weiter Weg zum Test: Frust über fehlende Testmöglichkeiten

04.12.2021 3G am Arbeitsplatz und 2G plus in vielen Teilen des öffentlichen Lebens lassen die Nachfrage nach Corona-Tests binnen Tagen immens steigen. Während in größeren Städten viele Teststellen überlaufen sind, müssen auf dem Land lange Fahrzeiten in Kauf genommen werden.

Medizinisch geschultes Personal führt einen Corona-Schnelltest durch. Foto: Kay Nietfeld/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bei Wind und Kälte Schlangestehen für einen dringend benötigten negativen Testnachweis: Da die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Corona-Tests das Angebot der rund 2000 Teststellen im Land übersteigt, wächst in Niedersachsen der Frust über die 2G-plus-Regel. Der niedersächsische Städte- und Gemeindebund berichtet über Meldungen aus allen Landesteilen von «unhaltbaren, teils chaotischen Zuständen» an den Teststellen. «Die aktuellen Testangebote reichen bei Weitem nicht aus», sagte Geschäftsführer Oliver Kamlage der Deutschen Presse-Agentur.

Während sich in größeren Städten oft lange Schlangen vor den Teststellen bildeten, müssten in ländlichen Regionen Bürgerinnen und Bürger dagegen teils viele Kilometer fahren, um überhaupt eine Teststelle zu erreichen, berichtete Kamlage. Zudem seien Test-Termine bereits oft lange im Voraus ausgebucht. «Es müssen dringend, insbesondere in den ländlichen Räumen, ortsnah weitere Testkapazitäten ausgebaut werden. Kommunen suchen händeringend nach weiteren Anbietern, die sich vor Ort niederlassen», sagte Kamlage.

So etwa in der ostfriesischen Gemeinde Krummhörn im äußersten Nordwesten Niedersachsens: «Der Druck ist sehr, sehr groß», sagte Gemeindesprecher Fritz Harders. Seit Tagen sucht die 12.000 Einwohner zählende Kommune nach einem Betreiber für ein Testzentrum. Einige Ärzte und Apotheken, die bislang testeten, hätten wegen des zu großen Aufwandes bereits wieder aufgegeben. Wer in den bei Touristen beliebten 19 Fischer- und Warfendörfern der Gemeinde wohnt, musste daher zuletzt meist Wege in die Nachbarstädte in Kauf nehmen.

Die Räumlichkeiten für Tests seien da, nur Anbieter ließen sich schwer auf das Land ziehen. «Offenbar gibt es da nicht mehr so eine Goldgräberstimmung wie noch am Anfang», sagte Harders. Die Gemeinde will nun selbst den Betrieb eines Testzentrums aufnehmen.

Auch auf der Nordseeinsel Langeoog ist der Unmut über die neue Vorgabe groß. «Es wird da etwas "einfach beschlossen", ohne dass die Kapazitäten dafür da sind», klagte Inselbürgermeisterin Heike Horn (parteilos). Das einzige Testzentrum auf der Insel habe zwar seinen Betrieb von drei auf sechs Tage ausweiten können und auch einige Vermieter und Hotels ermöglichten nun Tests. «Aber das reicht bei Weitem nicht», sagte Horn. Bis nächste Woche seien nahezu alle Termine schon ausgebucht. Wer keine Testmöglichkeit finde, müsse auf der Insel bleiben - oder komme vom Festland nicht wieder zurück. «Gefangen auf der Insel», beschrieb die Bürgermeisterin die Lage. «Je mehr Gäste auf die Insel kommen, umso schwieriger wird das.»

Die Landesregierung reagierte bereits am Freitag auf die hohe Nachfrage nach Corona-Tests und kippte die Testpflicht für Menschen mit Auffrischungsimpfungen. Wer demnach schon eine Auffrischungsimpfung erhalten hat, braucht ab diesem Samstag trotz 2G-plus-Regel keinen negativen Testnachweis mehr vorlegen. Am Freitag hatten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 14 Prozent der Bevölkerung in Niedersachsen eine Auffrischungsimpfung.

Die Oberbürgermeisterkonferenz begrüßte, dass die Landesregierung die 2G-plus-Regelung überprüfen will. «2G-plus führt voraussichtlich zu einem zusätzlich großen Andrang auf die hoch belasteten Teststellen und erschwert die Planbarkeit besonders der Booster-Impfkampagne», sagte Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) in einer Mitteilung am Samstag. Die Kapazitäten für Corona-Schnelltests seien in den vergangenen Tagen in Braunschweig erheblich ausgeweitet worden. Allein in der vergangenen Woche erhielten laut Kornblum 18 neue Betreiber in Braunschweig einen Auftrag.

Seit Mittwoch gilt in vielen Regionen die Warnstufe zwei. Das heißt, auch Geimpfte und Genesene müssen sich zum Beispiel vor einem Friseur- oder Restaurantbesuch testen lassen. Ungeimpfte benötigen auch Tests für den öffentlichen Nahverkehr und am Arbeitsplatz.

Auch die niedersächsischen Hilfsorganisationen, die neben Apotheken und privaten Anbietern einen Großteil der Teststellen betreiben, meldeten unterm Strich eine hohe Nachfrage - die Auslastung der Zentren sei jedoch von Ort zu Ort verschieden. Mit der Einführung der 2G-plus-Regel sei der Bedarf an Testungen noch einmal gestiegen, teilte eine Sprecherin des Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit.

Die Johanniter betreiben rund 30 Teststellen in Niedersachsen - neben größeren Städten auch an Orten, wo es sonst keine gibt. «Aus unserer Sicht ist es so, dass es gerade in den ländlichen Regionen weniger Testangebote gibt», sagte Sprecher Jan Klaassen. Dort seien private Anbieter weniger vertreten. Für die Testzentren greife die Hilfsorganisation auf ihr Netz von Haupt- und Ehrenamtlichen zurück. «Wir prüfen alle Möglichkeiten, um weitere Testkapazitäten zu schaffen», sagte Klaassen. Dazu müssten aber Bedarf, Kapazitäten und Raumangebot zusammenpassen.

Auch in einigen Wirtschaftszweigen ist der Unmut über das Testen groß. Zwar dürfen etwa auch Gastronomen und Friseure Schnelltests beaufsichtigen und ein negatives Testzertifikat ausstellen. Das funktioniere auch, sofern die Kunden mit Selbsttests an die Salons kämen, sagte Manuela Härtelt-Dören, Landesinnungsmeisterin des niedersächsischen Friseurhandwerks aus Göttingen. «Das Problem ist allerdings, dass es vielerorts gar keine Schnelltests mehr gibt und die Kunden dann einfach gar nicht kommen können. Ohne Test können wir niemanden hereinlassen.» Für Schnelltests in Apotheken gebe es etwa in der Region um Göttingen erst ab Mitte Dezember wieder Termine.

Die Unternehmerverbände in Niedersachsen (UVN) registrieren ebenfalls eine Nachfrage bei Beschäftigten nach zusätzlichen Schnelltests. Bislang seien die Arbeitgeber bereits verpflichtet, ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zwei Tests pro Woche anzubieten, sagte UVN-Hauptgeschäftsführer Volker Müller. Viele würden jedoch auch an den übrigen drei Werktagen Tests ermöglichen. «Es ist allerdings schon zu spüren, dass die Tests immer knapper werden. Die Testbeschaffung wird schwieriger», sagte Müller. Demnach steige die Nachfrage bei den Beschäftigten auch, da die von den Arbeitgebern bescheinigten, negativen Testnachweise nach der 2G-plus-Regel auch Zutritt etwa zur Gastronomie oder zum Friseur ermöglichten.

© dpa-infocom GmbH

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