Niedersachsen steuert auf Warnstufe 2 zu

29.11.2021 Mehr Infektionen, mehr Kranke - alle Corona-Kennzahlen in Niedersachsen steigen weiter. Das Leben wird noch ungemütlicher. Ministerpräsident Weil sieht deshalb nur einen Ausweg.

Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit steigenden Infektionszahlen steuert Niedersachsen auf Warnstufe 2 und strengere Corona-Auflagen in weiten Teilen des Landes ab Mittwoch zu. Örtlich wird dann in Restaurants, Hotels, beim Friseur oder beim Hallensport die sogenannte 2G-plus-Regel gelten: Zugang haben nur Geimpfte oder Genesene, die zusätzlich einen negativen Test vorlegen können.

Am Montag wurde in Niedersachsen auch der erste mögliche Fall der neuen Omikron-Variante des Coronavirus bekannt. Nach einem Aufenthalt in Südafrika bestehe bei einem Mann aus dem Landkreis Wolfenbüttel der begründete Verdacht, dass er mit dieser Variante infiziert sein könnte, teilte das Gesundheitsministerium in Hannover mit. Er sei derzeit in Isolation. Laboruntersuchungen beim Landesgesundheitsamt sollen im Laufe der Woche klären, ob sich die Annahme bestätigt.

Zu Beginn der neuen Woche verschlechterten sich die Daten zur Corona-Situation im Land abermals. Nach Angaben der Landesregierung stand die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz am Montag bei 7,4. Tags zuvor hatte der Wert bei 7,2 gelegen - er gibt an, wie viele Infizierte in den vergangenen sieben Tagen auf 100.000 Einwohner neu in eine Klinik aufgenommen werden mussten. Bei der allgemeinen Inzidenz der bestätigten Neuansteckungen verschärfte sich die Lage zuletzt ebenfalls: Sie stieg laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) im Landesschnitt von 212,2 auf 217,4.

Die Auslastung der Intensivstationen ist in Niedersachsen noch nicht so hoch wie in anderen Bundesländern. Deshalb hat das Land Kranke von dort aufgenommen. Aber auch in Niedersachsen werden Betten knapp: Zu Wochenbeginn waren 9,4 Prozent der maximal bereitstehenden Intensivbetten mit Covid-Kranken belegt, nach 8,5 Prozent am Sonntag.

Im Land greifen die Corona-Warnstufen, wenn die Hospitalisierung und mindestens einer der anderen beiden Indikatoren (Neuinfizierte, Intensivbetten-Belegung) bestimmte Schwellen überschreiten. Seit dem vorigen Mittwoch gilt landesweit bereits die Stufe 1 mit 2G-Regelung - Ungeimpfte sind von Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen.

Da die Zahlen nun schon mehrere Tage in Folge so angespannt bleiben, dürfte zumindest in einzelnen Regionen bald die Stufe 2 mit der 2G-plus-Regel verhängt werden. Am Montag waren in etlichen Kreisen und kreisfreien Städten beim Teilfaktor Gesamtinzidenz auch schon Werte für die Stufe 3 erreicht - vor allem im Westen und Südosten Niedersachsens.

Ministerpräsident Stephan Weil fordert als erster SPD-Regierungschef explizit eine Corona-Impfpflicht für alle. Die inzwischen auch in Deutschland nachgewiesene Omikron-Variante des Virus bedeute eine neue Lage, sagte er der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Montag): «Erste Untersuchungen zeigen, dass vor allem Booster-Impfungen auch gegen diese Mutation eine gute Wirkung entfalten können. Deshalb ist spätestens jetzt eine allgemeine Impfpflicht unabdingbar.»

Zudem werde es aller Voraussicht nach zu strengeren Maßnahmen kommen müssen: «Mit dem Erreichen der Warnstufe zwei am nächsten Mittwoch rollen wir die 2G-plus-Regel gleichsam flächendeckend aus», so Weil. Ein Lockdown in der Zeit nach Weihnachten sei nicht auszuschließen. Die Schaustellerverbände im Land wiederum erklärten, für die laufenden Weihnachtsmärkte sei 2G plus nicht praktikabel. Dann sei es besser, die Märkte ganz zu schließen.

Die Infektionswelle trifft auch die Schulen. Bei mehr als 2000 Schülerinnen und Schülern in Niedersachsen war in der Woche vom 15. bis 19. November eine Covid-19-Infektion bekannt. Nach Daten der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin galten außerdem 144 niedersächsische Lehrkräfte als infiziert.

Immer mehr Gesundheitseinrichtungen in Niedersachsen greifen in der Pandemie wieder auf Amtshilfe der Bundeswehr zurück. 152 Soldaten und Soldatinnen waren am Montag nach Angaben des Landeskommandos im Einsatz. Das waren etwa drei Mal so viele wie noch vergangene Woche. Zugleich seien schon 24 weitere Anträge auf Hilfe durch das Militär eingegangen. Die Soldaten helfen in der Kontaktnachverfolgung der Gesundheitsämter, beim Impfen und in Pflegeheimen.

© dpa-infocom GmbH

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