Verdi: Gegen Corona-Impfpflicht in der Pflege

23.11.2021 Angesichts steigender Corona-Zahlen wird intensiv über eine schnelle Reaktion auf die vierte Welle diskutiert. Eine Impfpflicht in der Pflege lehnt die Gewerkschaft Verdi ab. Diese könne sogar kontraproduktiv sein.

Eine Warnweste mit der Aufschrift «ver.di». Foto: Tom Weller/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Gewerkschaft Verdi spricht sich gegen eine Impfpflicht für bestimmte Berufsbereiche aus. «Am Prinzip der Freiwilligkeit des Impfens sollte nicht gerüttelt werden», sagte David Matrai, Fachbereichsleiter des Landesbezirks Niedersachsen-Bremen der Deutschen Presse-Agentur. Die Impfquote in den entscheidenden Bereichen der Arbeit mit vulnerablen Personen - also gefährdeten Menschen im Gesundheitswesen, in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie Wohnheimen - sei überdurchschnittlich hoch.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte nach den Beratungen von Bund und Ländern in der Vorwoche gesagt, dass ein besserer Schutz von besonders verletzlichen Gruppen wie Menschen in Pflegeheimen festgehalten worden sei. «Zudem gibt es die klare Ansage, dass wir für eine Impfpflicht sind für Berufsgruppen, die in solchen Einrichtungen arbeiten», hatte Weil gesagt und auf Konsens unter den Länderchefs sowie Angela Merkel (CDU) als geschäftsführender Kanzlerin verwiesen.

«Unter Abwägung aller Argumente sei es kontraproduktiv, für die diskutierten Gruppen eine Impfpflicht einzuführen», sagte Verdi-Vertreter Matrai. Ihm zufolge ist eher zu befürchten, dass Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, zumindest vorübergehend aus diesen Berufen aussteigen werden. «Einen weiteren Exodus des Personals und damit eine Verschärfung des Personalmangels, insbesondere in der Pflege, können wir uns im Kampf gegen die Pandemie nicht leisten», sagte er.

Auch die Johanniter Seniorenhäuser in Niedersachsen und Bremen setzen eher auf Freiwilligkeit und Aufklärung. «Sollte eine Impfpflicht für das Pflegepersonal beschlossen werden, so sollte diese unserer Auffassung zufolge nicht nur Pflegekräfte betreffen, sondern alle Mitarbeitenden, die mit den Bewohnerinnen und Bewohnern in unseren Seniorenhäusern in Kontakt kommen», sagte Herbert Voedisch, Niederlassungsleiter vom Regionalzentrum Nord Johanniter.

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