Prozess: Bande soll acht Tonnen Kokain geschmuggelt haben

26.10.2021 Es ist eine unvorstellbare Menge: Acht Tonnen Kokain sollen elf Angeklagte aus Kolumbien nach Hamburg geschmuggelt haben. Die Beamten kamen ihnen durch Auswertung von Encrochat-Daten auf die Spur.

Die Angeklagten, ihre Anwälte und weitere Prozessbeteiligte stehen im Gerichtssaal. Foto: Christian Charisius/dpa/Pool/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Tonnenweise Drogen - versteckt unter Bananen, Holzkohle oder Reifenteilen: Vor dem Hamburger Landgericht hat am Dienstag einer der größten Rauschgiftprozesse begonnen. Angeklagt sind elf Männer, die den Hamburger Hafen für bandenmäßigen Kokain-Schmuggel genutzt haben sollen. Ihnen wird laut Staatsanwaltschaft vorgeworfen, rund acht Tonnen Kokain aus Kolumbien in Seefracht-Containern versteckt für den Weiterverkauf geschmuggelt zu haben. Die Angeklagten im Alter zwischen 32 und 55 Jahren leben in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein und sind nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Teil einer international agierenden Bande.

Ein 38-Jähriger war laut Anklagebehörde an allen Lieferungen in leitender Funktion beteiligt. In mehreren Fällen sollen drei der Angeklagten ihre beruflichen Positionen in Hafenlogistik-Betrieben dafür genutzt haben, die in Hamburg ankommenden Container mitsamt ihrer Ladung aus dem Hafen zu bringen. Zwei weitere Angeklagte, die als selbstständige Fuhrunternehmer im Hafen arbeiteten, übernahmen laut Staatsanwaltschaft den Transport der Container. Es geht um neun Lieferungen im Jahr 2020. Nach Angaben der Polizei Hamburg hat das Kokain einen geschätzten Wert von 280 Millionen Euro.

Vor der Verlesung der Anklageschrift stellten mehrere Verteidiger der elf Angeklagten Anträge. Dabei ging es um die Verletzung des Öffentlichkeitsgebots, weil aus Platzgründen in dem Saal nur drei Medienvertreter und fünf Zuhörer an dem Prozess teilnehmen dürfen. Die Verteidiger wollten erreichen, dass der Prozess entweder in einem größeren Raum verlegt oder die Zahl der Angeklagten reduziert wird. «Staat und Justiz sind verpflichtet, angemessene Räume zur Verfügung zu stellen», sagte ein Verteidiger. Der Zugang zum Prozess müsse mindestens für eine verwandte Person für jeden Angeklagten möglich sein, sonst werde der Öffentlichkeitsgrundsatz «zutiefst verletzt».

Sowohl der Vorsitzende Richter Malte Wellhausen als auch die Kammer lehnten das ab. «Wir haben alles getan, um dem Öffentlichkeitsgrundsatz bestmöglich zu genügen», sagte Wellhausen. So handele es sich beim Saal 300 bereits um den größten Saal, der im Landgericht zur Verfügung steht. Er sei extra für diesen Prozess umgebaut worden, damit alle Angeklagten dort Platz finden. Daher musste der Zuschauerraum verkleinert werden. Von einem Ausweichen auf eine Messehalle, wie es einige Verteidiger forderten, habe man aus Sicherheitsaspekten Abstand genommen und weil man dort «nicht so gut miteinander kommunizieren kann».

Auf die Angeklagten gestoßen waren die Ermittler über Chats. Französische Fahnder hatten die Software EncroChat geknackt und Tausende Chats Krimineller entschlüsselt. So konnten die Ermittler auch die Summe von acht Tonnen Kokain berechnen. Sicherstellen konnten die Beamten nur 1,7 Tonnen Kokain, teilte ein Gerichtssprecher mit. Sie wurden in Südamerika und Deutschland entdeckt. 6,3 Tonnen Kokain seien demnach bereits im Umlauf.

Alle Angeklagten wollten sich am Dienstag nicht zum Anklagevorwurf äußern. Mehrere Verteidiger haben sogenannte Opening Statements - Stellungnahme zur Anklage aus Verteidigersicht - und Anträge angekündigt, die darauf gerichtet sind, die Erörterung und Verwertung von Encrochat-Daten zu verhindern. Damit werde es voraussichtlich in den nächsten Verhandlungstagen weitergehen, sagte ein Sprecher. Bis Ende des Jahres sind insgesamt 16 Verhandlungstage anberaumt.

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