VW: Tesla-Wettbewerb annehmen, um Jobabbau «geht es nicht»

14.10.2021 Der Umbau der Autoindustrie birgt Chancen, doch er wird nicht ohne Schmerzen ablaufen. Das gilt auch für VW und seine Kostenstrukturen. Konzernchef Diess macht sich «Sorgen», will mehr Tempo im Wettstreit mit Tesla. Unmittelbare Angst um den Job müsse aber niemand haben.

Herbert Diess. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

VW-Chef Herbert Diess hat den Konzern auf einen härteren Wettbewerb mit Tesla eingeschworen. Auch der Stammsitz Wolfsburg müsse dabei «effizienter, schneller werden», sagte er laut Teilnehmerkreisen bei einer internen Konferenz im österreichischen Alpbach. Diess bekräftigte, dass das zunächst keine direkten Folgen für die Stellen habe. «Ich habe, wenn ich an Wolfsburg denke, nicht den Abbau von Arbeitsplätzen im Kopf», betonte er am Donnerstag. «Darum geht es nicht. Mir geht es darum, wie wir miteinander arbeiten. Wir brauchen eine neue Denkweise. Es geht nicht nur um die Marke (VW), sondern auch um den Konzern. Es geht um Wolfsburg.»

Am Mittwoch hatten Spekulationen über eine möglicherweise bevorstehende Streichung Zehntausender Jobs bei Europas größtem Autobauer für Aufregung gesorgt. Die Konzernleitung stellte daraufhin klar, dass keine Pläne für konkrete Kürzungen in der Schublade lägen - man zugleich aber die Kostensituation und Auslastung einiger Standorte intensiv diskutieren müsse. Dabei spielen auch der aktuelle Leerlauf durch die Lieferkrise bei Mikrochips, die Ertragsziele von Volkswagen und die Rivalität mit Tesla eine Rolle. Der US-Konkurrent will bald die ersten E-Autos in seiner Fabrik bei Berlin fertigen.

«Ich weiß: Einige von euch hassen das», sagte Diess den Angaben zufolge bei dem Treffen von rund 200 Führungskräften sowie weiteren, per Video zugeschalteten Managern aus China. «Aber in erster Linie ist es Tesla. Der Abstand vergrößert sich. Sie werden schneller. Sie liefern. Sie werden besser im Bauen von Autos. Sie sind die einzige Marke, die trotz Covid wächst. Sie haben eine vollvernetzte Flotte rund um die Welt. Wir müssen diesen Wettbewerb annehmen.»

Das VW-Hauptwerk, das den Zuschlag für das Elektro-Großprojekt «Trinity» ab 2025/2026 erhalten hatte, sei eigentlich in einer guten Ausgangslage, so Diess. «Mit «Trinity» haben wir die Chance, Wolfsburg (...) zu transformieren. Nur wenn wir hier demonstrieren, dass wir in 200 Kilometern Entfernung wettbewerbsfähig sind, werden wir auch weltweit wettbewerbsfähig sein», meinte der VW-Chef mit Blick auf den Tesla-Standort im brandenburgischen Grünheide. In diesem Zusammenhang komme Wolfsburg ein «entscheidender Part» zu.

Der Betriebsrat fordert weitere E-Modelle für den Stammsitz. Es laufen schon Programme, mit denen die Kosten gedrückt werden sollen.

Die Unruhe hatte sich tags zuvor aus Berichten über Äußerungen von Diess in einer Aufsichtsratssitzung Ende September ergeben. Dort soll die Zahl 30 000 gefallen sein, als eine Debatte über einen möglichen Job-Überhang bei der Kernmarke einsetzte. Diess ließ später erklären, es sei dabei nicht um ein etwaiges, unmittelbares Szenario drohender Arbeitsplatzverluste gegangen. Aber: «Es steht außer Frage, dass wir uns angesichts der neuen Marktteilnehmer mit der Wettbewerbsfähigkeit unseres Werks in Wolfsburg befassen müssen.» Betriebsratschefin Daniela Cavallo und die IG Metall hatten auf eine Klärung gedrungen.

Diess warb vor den Führungskräften in Alpbach um Verständnis für seine teils als sprunghaft und provokativ empfundenen Äußerungen. «Warum ist der Chef immer wieder so nervös und manchmal hart?», fragte er die anderen Manager. «Weil ich mir Sorgen mache. Es ist ein entscheidender Zeitpunkt für unser Unternehmen. In der alten Welt sind wir erfolgreich. In der neuen Welt ist das nicht garantiert.»

Der Konzern steckt in den kommenden Jahren eine hohe zweistellige Milliardensumme allein in Modelle mit E- und Hybridantrieben sowie in Software und Vernetzung. Eine aktualisierte Planung wird Mitte November erwartet. «Wir haben alle Voraussetzungen», sagte Diess. Aber VW müsse sich strecken. «Vor uns steht die größte Transformation der VW-Geschichte. Wir müssen liefern und dafür sorgen, das VW auch zum Ende des Jahrzehnts ein starker und erfolgreicher Konzern ist.»

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