Deiche werden für Sturmflutsaison gerüstet

06.10.2021 Küstenschutz ist eine Daueraufgabe: Bevor im Winter Sturmfluten drohen, müssen letzte Baustellen abgeschlossen sein. Zudem wird nun im Herbst die Sicherheit der Deiche geprüft. Um Klimafolgen künftig zu begegnen, braucht es laut Umweltminister Olaf Lies mehr Geld.

Am Deich finden Bauarbeiten statt. Foto: Sina Schuldt/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Angesichts eines steigenden Meeresspiegels fordert Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD), die Anpassungen an den Klimawandel nicht aus dem Blick zu verlieren. Der Klimaschutz sei eine gewaltige Herausforderung. Das Bemühen um die Klimafolgenanpassung etwa beim Küstenschutz und der Binnenentwässerung müsse aber den gleichen Stellenwert einnehmen, betonte Lies bei der Besichtigung einer Deichbaustelle am Mittwoch in Ostfriesland. Lies erneuerte daher seine Forderung an den Bund, künftig mehr Geld für den Küstenschutz zur Verfügung zu stellen. «100 Millionen Euro pro Jahr müssen gesetzt sein», sagte Lies. Aktuell werden pro Jahr rund 65 Millionen Euro für den Schutz der niedersächsischen Küste investiert.

Mit Beginn der Sturmflutsaison im Herbst nehmen Küstenschützer und Deichverbände die Sicherheit der niedersächsischen Deiche in den Blick. Baustellen an den Deichen wie etwa in der Krummhörn im Kreis Aurich, die Lies mit Vertretern der Deichacht besuchte, müssen dann abgeschlossen sein. Noch werden an dem rund 700 Meter langen Abschnitt Restarbeiten am Deckwerk an der Seeseite vorgenommen. «Die Deichsicherheit ist aber schon gegeben», sagte der Geschäftsführer der Deichacht Krummhörn, Frank Rosenberg. Aktuell wird der Deich zwischen den Ortschaften Upleward und Manslagt auf einer Länge von 4,2 Kilometern um maximal 1,50 Meter auf dann 9,40 Meter über dem Meeresspiegel erhöht.

«Die Menschen hier haben noch nie so sicher hinter dem Deich gewohnt wie heute», sagte Alwin Brinkmann, Oberdeichrichter der Deichacht, zufrieden angesichts des anstehenden Abschlusses der Arbeiten. Er mahnte im Gespräch mit dem Umweltminister aber auch, den Deichausbau künftig finanziell und personell zu stärken. Noch müssten allein im Bereich der Deichacht Krummhörn insgesamt 8,5 Kilometer Deich auf das neue Sollmaß gebracht werden - wenn in dem Tempo weitergebaut werde, dauere dies noch rund 15 Jahre. «Das ist zu lange. Das ist den Menschen hier auch nicht mehr vermittelbar», sagte Brinkmann.

In Niedersachsen sorgen rund 640 Kilometer Hauptdeiche für den Küstenschutz zwischen Ems und Elbe und auf den Ostfriesischen Inseln. In dem gesamten Gebiet leben mehr als eine Million Menschen. Zu den größeren Bauprojekten zählen aktuell eine Schutzdünenverstärkung und die Sanierung des Westdeiches auf Norderney sowie Deichertüchtigungen in der Krummhörn und bei Bensersiel in Ostfriesland. Im vergangenen Jahr investierte das Land 66,4 Millionen Euro in den Küstenschutz.

Aktuell prüfen überall an der Küste Experten der Deichverbände, der Kommunen und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bei Deichschauen den Zustand der Küstenschutzbauwerke. Mögliche Schäden werden bei den Schauen protokolliert und später behoben. Wenn die Deiche als abwehrfähig und sicher eingestuft werden, gelten diese als «schaufrei». Im Landkreis Leer seien die ersten Deiche an den Flüssen Ems und Leda bereits für schaufrei erklärt worden, sagte Johann Eckhoff, Leiter des Amtes für Wasserwirtschaft. Die Witterung habe gut mitgespielt und der Grasbewuchs auf den Deichen sei optimal. Auch auf den Inseln wurden erste Deiche laut NLWKN bereits inspiziert.

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