«Bilder, die man nie vergisst»: Soldaten über Evakuierung

29.09.2021 Die Rettung von Deutschen und Ortskräften aus Afghanistan vor den Taliban war ein dramatischer Einsatz für die Luftwaffe. Auf dem Fliegerhorst Wunstorf geben Beteiligte einen Einblick in die gefährliche Mission. Was ist ihre Hoffnung?

Oberst Christian John führt das Lufttransportgeschwader (LTG) 62 und spricht vor Medienvertretern. Foto: Demy Becker/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Sie gilt als gefährlichste Rettungsaktion in der Geschichte der Bundeswehr: Einen Monat nach der Evakuierung Tausender Menschen aus Afghanistan hat die Bundeswehr auf den gefährlichen Einsatz im August zurückgeblickt. «Ich bin stolz auf das, was das Luftgeschwader geleistet hat», sagte Oberst Christian John am Mittwoch auf dem Fliegerhorst Wunstorf in der Nähe von Hannover. Der 55-Jährige ist Kommodore des Lufttransportgeschwaders 62 (LTG 62), das weltweit mit seiner Flotte von Airbus A400M im Einsatz ist.

Mit einer eilig eingerichteten Luftbrücke hatte die Bundeswehr in elf Tagen insgesamt 5347 Menschen unter schwierigsten Bedingungen aus Kabul ausgeflogen. Sie wurden vor den militant-islamistischen Taliban in Sicherheit gebracht. «Am Boden waren chaotische Verhältnisse», sagte John über die Landung des ersten A400M am Abend des 16. August. Die Maschine habe nur 7 Menschen mitnehmen können, in der Folge seien dann bis zu 1000 Menschen pro Tag ausgeflogen worden. Am ersten Tag sei es darum gegangen, in sehr kurzer Zeit Soldaten der Division Schnelle Kräfte (DSK) abzusetzen, die dann eine geordnete Evakuierung organisierten.

Dramatisch waren auch die letzten Tage der Mission. Die Rückverlegung nach Deutschland war laut John schon geplant gewesen, als der Terroranschlag am Flughafen Kabul passierte. Einen Tag später - am 27. August - trafen die ersten Soldaten wieder in Wunstorf ein - empfangen unter anderem von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). «In 36 Jahren habe ich erstmals erlebt, dass der Truppe applaudiert wurde», sagte der Oberst. Nach Bundeswehrangaben waren an der Evakuierungsmission insgesamt 454 Einsatzkräfte beteiligt, darunter 19 Soldatinnen.

Die Schutzbedürftigen - afghanische Ortskräfte, Deutsche und andere Ausländer - wurden während der elftägigen Evakuierungsflüge zunächst in die usbekische Hauptstadt Taschkent gebracht, von wo aus sie meist mit Lufthansa-Maschinen weiter nach Deutschland fliegen konnten.

Der Gesundheitszustand vieler geflüchteter Menschen sei schlecht gewesen, erzählte ein Hauptmann vom Objektschutzregiment der Luftwaffe in Schortens nahe der Nordseeküste. Kinder seien wegen Wassermangels nach 30 Stunden Flucht kollabiert. Der Hauptmann war als Kommandoführer des sogenannten Air Mobile Protection Team (AMPT) im Einsatz, das nach der Landung die Militärmaschinen absicherten.

«Ich habe eine Mutter mit Kleinkind auf dem Arm gesehen. Die hatten nur eine Plastiktüte dabei», schilderte ein anderer Soldat sichtlich bewegt. Der Hauptfeldwebel begleitete die Flüge als Technischer Ladungsmeister. «Ein kleines Kind hatte nur einen Schuh. Der rechte oder linke ist irgendwo verloren gegangen.»

Die Menschen hatten keine Sitzplätze, sondern saßen relativ eng gedrängt im Laderaum. Masken trugen sie nicht, es gab aber laut Bundeswehr Corona-Tests vor dem Abflug und nach der Landung in Taschkent. «Das sind Bilder, die man nie vergessen wird», sagte der Soldat, der bald wieder zum Auslandseinsatz nach Jordanien fliegen wird. Er wünsche den nach Deutschland geflüchteten Familien alles Gute.

Die Piloten mussten zunächst in völliger Dunkelheit in Kabul landen, auch der Tower war zeitweise nicht in Betrieb. Auf dem Rollfeld waren «wahnsinnig viele Menschen und Fahrzeuge», wie ein Pilot erzählte. «Wir haben unser Bestes gegeben, so viele Menschen wie möglich rauszubringen.». Jetzt müsse alles getan werden, um auch die Zurückgebliebenen aus Afghanistan zu holen.

Derzeit warten noch viele Afghanen, vor allem Ortskräfte und ihre Familien, darauf, nach Deutschland kommen zu können. Bis auf wenige Charterflüge wird der Flughafen Kabul aber weiterhin nicht angeflogen.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Sport news

dpa-Interview: Darts-Profi Hopp: «Social Media ist so eine Scheinwelt»

Job & geld

Auf der Suche nach dem Sinn: So gelingt die berufliche Neuorientierung mit 50+

Das beste netz deutschlands

Auf Langzeitbelichtung setzen: So fotografieren sie die Geminiden

Games news

Für PC und Konsole: «Nerf Legends»: Schneller Shooter ohne Blut

Tv & kino

Hollywood: Oscar-Vorbote: US-Verband wählt zehn beste Filme von 2021

People news

Komikerin: Promi-Geburtstag vom 9. Dezember: Hazel Brugger

Internet news & surftipps

Urteil: Apple erreicht Aufschub bei App-Store-Änderungen in den USA

Auto news

Berlin scannt Parksünder : Zehnmal effektiver als eine Politesse

Empfehlungen der Redaktion

Inland

Afghanistan-Einsatz: Soldaten der Evakuierungsmission zurück in Deutschland

Inland

Afghanistan: Weitere Menschen aus Kabul gerettet - Vorwürfe gegen Bund

Inland

Evakuierungen: Bundeswehr fliegt weitere Menschen aus Kabul aus

Inland

Afghanistan: Schwieriger Start der deutschen Evakuierungsaktion in Kabul

Inland

Evakuierungen: Acht weitere Menschen von Bundeswehr aus Kabul evakuiert

Ausland

Konflikt in Afghanistan: Bundeswehr bringt weitere Menschen aus Kabul nach Usbekistan

Regional hamburg & schleswig holstein

Erste gerettete Afghanen in Hamburg angekommen

Ausland

Bundeswehr in Afghanistan: Evakuierung aus Kabul läuft - Luftbrücke geplant