Nachtbürgermeister sieht noch Zurückhaltung bei Events

25.09.2021 Seit April hat Osnabrück als erste Stadt in Niedersachsen einen Nachtbürgermeister, der die Kreativszene der Stadt unterstützen soll. Wie stark spürt die Branche noch die Folgen von Corona?

Nachtbürgermeister Jakob Lübke steht vor dem Rathaus Osnabrück. Foto: Friso Gentsch/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Obwohl nach dem Corona-Lockdown Konzerte und Kultur-Events wieder möglich sind, beobachtet die Branche Zurückhaltung bei den Gästen. «Man merkt gerade im kompletten Konzertbereich, dass etwa 10 bis 15 Prozent der Menschen, die vor einem oder anderthalb Jahren Tickets gekauft haben, nicht kommt», sagte der Osnabrücker Nachtbürgermeister Jakob Lübke. Der 27 Jahre alte Musiker übt diese Tätigkeit seit einem guten halben Jahr aus und ist damit der erste Nachtbürgermeister in Niedersachsen.

Auch wenn Veranstaltungen unter Corona-Regeln und Teilnehmerbegrenzungen wieder möglich sind, sei die Nachfrage noch nicht wieder so hoch wie vor den Lockdowns, sagte Lübke. «Man merkt, die Leute sind noch unsicher, man muss sich erst wieder dran gewöhnen, so vielen Menschen so nah zu sein.» Er höre von manchen, dass sie noch nicht wieder in Clubs gehen wollen, obwohl dort die Sicherheit relativ hoch sei. Aber diejenigen, die kommen, fühlten sich sicher.

Als Nachtbürgermeister soll er helfen, die kreative Szene in der Stadt weiterzuentwickeln, soll Ansprechpartner sein, Akteure miteinander vernetzen und eine Schnittstelle zur Stadt sein. Seinem Eindruck nach habe das gerade in der Corona-Zeit gut funktioniert. So habe er regelmäßige Treffen zwischen Stadt und den Gastronomen etabliert, wenn neue Corona-Regeln in Kraft traten.

«Als die Clubs wieder öffneten, sind wir mit dem Ordnungsamt durch die Betriebe gegangen und die Hygienekonzepte durchgegangen.» Das sei von der Branche als eine Begegnung auf Augenhöhe wahrgenommen worden. In einer pandemischen Situation, wo es für viele um jeden Cent gehe, bräuchten die Unternehmer schnelle Entscheidungen. Er glaube, dass dieses gute Verhältnis zu den Behörden auch in der Zukunft Bestand haben werde.

Den ersten Nachtbürgermeister in Deutschland gab es in Mannheim. Inzwischen gibt es auch Nachtbürgermeister in Stuttgart, Koblenz und Berlin. In München werde gerade eine ähnliche Stelle geschaffen, sagte Lübke. Auch untereinander tausche man sich aus. Er bekomme auch Anfragen aus anderen Städten, das Konzept seiner Rolle vorzustellen.

In der Landeshauptstadt Hannover gibt es schon seit längerem Diskussionen über die Einführung eines Nachtbürgermeisters. Konkrete Beschlüsse der Verwaltung gibt es laut einem Stadtsprecher aber noch nicht.

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