Corona-Diskussion: Weil erteilt «Freedom Day» Absage

20.09.2021 Einen Stichtag, an dem alle Corona-Beschränkungen aufgehoben werden, lehnt Niedersachsens Ministerpräsident ab. Auch der Ärzteverband Marburger Bund hält die Forderung für falsch - auch wenn sie von ärztlicher Seite kommt.

Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, spricht. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Vorstoß von Kassenärzte-Chef Andreas Gassen, Ende Oktober alle Corona-Beschränkungen aufzuheben, stößt bei Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auf Ablehnung. «Es gibt nur einen Ausweg: keinen Freedom Day, sondern eine höhere Impfquote», sagte er der Rheinischen Post (Montag). «Wir wissen, dass die Infektionszahlen in der kalten Jahreszeit wieder steigen werden. Wir wissen, dass die Patienten in den Intensivstationen jünger werden und deswegen länger dort bleiben müssen», erklärte Weil. «Unter diesen Umständen brauchen wir auch in den nächsten Monaten einen wirksamen Infektionsschutz.»

Gassen hatte für den 30. Oktober die Aufhebung aller Corona-Beschränkungen gefordert. «Nach den Erfahrungen aus Großbritannien sollten wir auch den Mut haben zu machen, was auf der Insel geklappt hat. Also braucht es jetzt eine klare Ansage der Politik: In sechs Wochen ist auch bei uns Freedom Day!», sagte der Kassenärzte-Chef der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). Über seine Forderung war am Wochenende eine Diskussion entbrannt.

Auch der Ärzteverband Marburger Bund positionierte sich am Montag klar gegen eine Forderung nach einem «Freedom Day». «Für die Aufhebung aller wesentlichen Corona-Beschränkungen zum Ende Oktober sehen wir aktuell keine verantwortungsvolle Grundlage», teilten die niedersächsischen Landesvorsitzenden Hans Martin Wollenberg und Andreas Hammerschmidt mit. Ein solch entscheidender Schritt wäre zum jetzigen Zeitpunkt «hochriskant und kurzsichtig» und «ein Spiel mit dem Feuer beziehungsweise unserer aller Gesundheit».

Besonders gefährlich wäre das für die nicht-geimpften Menschen - auch für jene, die nicht die Wahl hätten, weil sie sich nicht impfen lassen könnten. «Mit seiner Haltung fällt Andreas Gassen all jenen in den Rücken, die täglich aufs Neue dafür kämpfen, einen bestmöglichen Kompromiss aus maximaler Sicherheit und maximaler Freiheit zu finden», teilte der Landesverband mit. Einen solchen Tag gebe es dann, wenn durch entsprechende Impfraten die Herdenimmunität erreicht würde.

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