Laschet und Scholz im Fernduell: CDU kämpft, SPD-Seitenhieb

04.09.2021 In Niedersachsen liefern sich Laschet und Scholz quasi ein Fernduell. Bei je drei Wahlkampfauftritten stichelt Laschet, Scholz bleibt bei sich. Nur SPD-Generalsekretär Klingbeil macht sich über Laschets «Zukunftsteam» lustig.

Armin Laschet (CDU) bei einem Termin. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eine Woche vor den Kommunalwahlen in Niedersachsen gehen die Parteien in den Wahlkampf-Endspurt: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet rief seine Partei angesichts sinkender Umfragewerte zum Kämpfen auf, sein Kontrahent Olaf Scholz (SPD) warb für seine Kompetenz und stabile Renten.

«Die Stimmung ist schwierig, wir dürfen uns nur nicht verrückt machen lassen», sagte Laschet am Samstag vor Hunderten Anhängern in Braunschweig. Die Union habe «alle Chancen». «Die Demoskopen haben alle Angst, ob sie wirklich Recht haben», sagte Laschet, räumte aber auch Fehler ein: «Manches ist schiefgelaufen.» In Hannover erhielt er Unterstützung von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko: «Man muss kämpfen. Das Leben ist ein Kampf.» Auch Karin Prien und Silvia Breher aus dem neuen «Zukunftsteam» von Laschet waren im Publikum.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil konnte sich eine Spitze in Richtung der Unterstützer nicht verkneifen. Wer Friedrich Merz für die Zukunft halte, «der denkt auch, dass die Videokassette fortschrittlich ist», sagte er unter Gelächter in Göttingen.

In Niedersachsen werden noch vor der Bundestagswahl bereits am 12. September neue Kommunalparlamente gewählt. Auch Scholz warb um Stimmen, er absolvierte wie Laschet mehrere Wahlkampf-Termine. Er versicherte, dass die Renten unter seiner Führung stabil blieben. Ziel sei es, die Beschäftigung zu erhöhen, indem Kinder aus sozial schwachen Familien bessere Aufstiegschancen erhielten oder Familie und Beruf besser zu vereinbaren seien. Von der Union angedachte Steuersenkungen für Menschen mit hohen Einkommen nannte Scholz «unsolidarisch und aus der Zeit gefallen».

Laschet forderte Scholz zu einer klaren Aussage auf, ob dieser bereit sei, eine Koalition mit den Linken einzugehen. Die Linke habe sich dem Rettungseinsatz für Afghanistan verweigert. «Was muss denn noch mehr passieren, bis Olaf Scholz sagt, mit denen will ich nicht regieren», rief Laschet. Für seine Partei schloss Laschet jegliche Zusammenarbeit mit der AfD aus. Bei Umfragen zur Bundestagswahl lagen die Sozialdemokraten zuletzt deutlich vor der Union.

Laschet kritisierte seinen Kontrahenten für einen Impfaufruf, in dem der die bislang gegen Corona Geimpften als Versuchskaninchen bezeichnet hatte. «Wenn man wie Olaf Scholz Scherze macht, wie die Deutschen sind Versuchskaninchen, dann spaltet man dieses Land», sagte Laschet. Scholz hatte zuvor in einem Interview der NRW-Lokalradios mit diesen Worten für das Impfen gegen Covid-19 geworben: «50 Millionen sind jetzt zwei Mal geimpft. Wir waren ja alle die Versuchskaninchen für diejenigen, die bisher abgewartet haben. Deshalb sage ich als einer dieser 50 Millionen - es ist gut gegangen! Bitte macht mit.»

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