Halbleiter-Mangel zwingt VW zu weiterer Kurzarbeit

02.09.2021 Der nach wie vor akute Mangel an Mikrochips und Elektronik-Bauteilen führt bei Volkswagen auch in den kommenden Wochen wieder zu einer deutlich gebremsten Produktion und Kurzarbeit. So können im Stammwerk Wolfsburg vom 6. bis 10. September auf drei Linien für den Golf und Tiguan sowie in angrenzenden Bereichen nur in der Frühschicht Autos gebaut werden. Wie der Konzern am Donnerstag weiter ankündigte, fällt in der größten Fahrzeugfabrik der Welt dann zudem eine Fertigungslinie für den Golf ganz aus. In der übernächsten Woche (13. bis 17. September) herrsche am Hauptsitz dann auf den insgesamt vier betroffenen Linien «komplett Kurzarbeit», hieß es.

Das Logo des Automobilherstellers Volkswagen ist am VW-Tower in Hannover zu sehen. Foto: Moritz Frankenberg/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auch an anderen deutschen Standorten des europäischen Branchenführers fallen aufgrund der Lieferengpässe Schichten aus. Dazu zählt nach Angaben des Managements und des Betriebsrats in der kommenden Woche Emden, wo auf dpa-Anfrage ebenfalls Kurzarbeit angemeldet wird. Auch an der Nordseeküste werden damit - nur eine Woche nach dem Ende Werksferien - wieder VW-Bänder still stehen. An den sächsischen Standorten Zwickau und Dresden, die zuletzt ebenso von Kurzarbeit betroffen waren, sowie in Osnabrück sei für die nächsten Werktage dagegen aus jetziger Sicht eine «normale Fahrweise» geplant.

Das Unternehmen begründete die Schritte mit der «anhaltend eingeschränkten Liefersituation bei Halbleitern». Diese bringe «weiter herstellerübergreifend erhebliche Störungen in der weltweiten Fahrzeug-Produktion». In Wolfsburg hatte Volkswagen die Kurzarbeit infolge fehlender Bauteile zuletzt bis zum 5. September verlängert.

Halbleiter-Komponenten stecken in zahlreichen Elektroniksystemen und sind auch in modernen Autos an vielen Stellen verbaut. Die Nachfrage aus der Branche war lange gestiegen, brach dann in der Corona-Krise jedoch zunächst ein. Chip-Produzenten fanden daraufhin neue Abnehmer zum Beispiel aus der IT, Unterhaltungselektronik oder Medizintechnik.

Nun komme vor allem der Nachschub von Halbleitern aus Südostasien ins Stocken, berichtete der Emder Betriebsratsvorsitzende Manfred Wulff. Bei Zulieferfirmen etwa in Malaysia gebe es wegen hoher Corona-Infektionen derzeit Schließungen mit entsprechenden Engpässen.

Mit der neuen Woche eingerechnet gebe es am Emder Standort dieses Jahr dann schon 46 Kurzarbeitstage. «Natürlich ärgert uns das», sagte Wulff. Er verwies zugleich auch darauf, dass andere Autobauer in einer ähnlichen Lage seien. In Emden hätten durch die Kurzarbeit mehr als 40.000 Fahrzeuge nicht gebaut werden können. Die Umstellung des örtlichen VW-Werks hin zum Bau von Elektrofahrzeugen ist seinen Angaben zufolge durch die Halbleiter-Probleme aber nicht gefährdet.

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