Gewerkschaft: Hunderte Stellen zum Schulstart unbesetzt

30.08.2021 Am Donnerstag beginnt das neue Schuljahr in Niedersachsen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht an einigen Stellen erheblichen Nachbesserungsbedarf.

Ein Schwamm liegt an der Schultafel. Foto: Annette Riedl/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mehrere hundert Lehrerstellen sind kurz vor Beginn des neuen Schuljahres in Niedersachsen nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) noch unbesetzt. Von den ausgeschriebenen rund 1800 Stellen seien bislang nur 80 Prozent besetzt, teilte die Gewerkschaft am Montag in Hannover mit. 1900 Lehrerinnen und Lehrer seien nach dem abgeschlossenen Schuljahr landesweit in den Ruhestand gegangen.

An den Gymnasien sind laut der GEW-Landesvorsitzenden Laura Pooth bislang 98 Prozent der Stellen besetzt, an den Oberschulen 78 Prozent und 74 Prozent an den Haupt- und Realschulen. Zudem würden zahlreiche Schulpsychologen fehlen.

Ende August verlassen nach Gewerkschaftsangaben mehr als 1400 Referendarinnen und Referendare die niedersächsischen Studienseminare. Das Bundesland sei somit auf Kräfte aus anderen Regionen Deutschlands angewiesen.

«Die verschiedenen Landesregierungen der Vergangenheit haben es verschlafen, genug Ausbildungsplätze zu schaffen und alle Lehrkräfte gleichermaßen gut zu bezahlen. Daher haben insbesondere die Schulformen mit niedrigerer Besoldung und die Berufsbildenden Schulen nun erhebliche Personalprobleme», kritisierte Pooth.

In der vergangenen Woche hatte das niedersächsische Kultusministerium mitgeteilt, dass sich alle Schülerinnen und Schüler auf eine Maskenpflicht im Unterricht einstellen müssen. Wer älter als 14 Jahre ist, muss eine medizinische Masken tragen, bei Jüngeren sei auch eine Stoffmaske erlaubt.

«Ich glaube, dass man das nach ein paar Wochen überprüfen muss, weil das natürlich den Unterricht stark erschwert», sagte Pooth mit Blick auf die Maskenpflicht. Mimik sei für das Lernen sehr wichtig, was durch die Maske eingeschränkt werde.

«Der Kultusminister agiert noch immer nach dem Prinzip Hoffnung. Er handelt erst, wenn es nicht anders geht. Deshalb gibt es noch immer viele Schulen ohne Luftfilter, ohne Lüftungsanlagen, ohne Luftventilationsanlagen. Das Land hat viel zu spät die Förderrichtlinien auf den Weg gebracht», kritisierte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Julia Willie Hamburg laut Mitteilung.

«Die Schülerinnen und Schüler werden am Donnerstag in Schulen zurückkehren, die genauso schlecht auf das kommende Jahr vorbereitet sind wie bereits in den vergangenen Jahren», bemängelte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Björn Försterling.

Der stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Holger Westphal forderte eine landesweite Übersicht, welche Klassenräume noch mit Luftreinigungsanlagen auszustatten seien.

Bei einer Umfrage, an der laut GEW mehr als 2000 Mitglieder teilgenommen haben, erachten 77 Prozent weitere Investitionen an Schulen für notwendig, um den Gesundheitsschutz vor dem Coronavirus zu verbessern. 27 Prozent sind der Meinung, es gebe nicht ausreichend Waschbecken, Seife oder Einmal-Handtücher an der Schule.

Ein geteiltes Bild ergibt sich bei der Frage, ob Lehrer Nachholbedarf beim Unterrichten mit digitalen Medien haben. 44 Prozent sagen, dass sie zurechtkommen, 43 Prozent sehen Nachholbedarf. 77 Prozent fühlen sich gestresster im Beruf als von der Corona-Pandemie.

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