Biotop-Kleinode im Fokus: Streuobstwiesen offen für Besucher

29.08.2021 Alte Apfelbäume, die auf Wiesen stehen, sind wichtig für die Artenvielfalt. Inzwischen stehen Streuobstwiesen in Niedersachsen unter Schutz - mit einem Aktionswochenende sollen nun ehrenamtliche Helfer für den Erhalt gefunden werden

Pflaumen wachsen auf einer Streuobstwiese in der Region Hannover. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Streuobstwiesen gehören zu den wichtigen, aber auch bedrohten Biotopen in Niedersachsen - mit einem speziellen Programm sollen sie stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Dazu veranstaltet das Streuobstwiesen-Bündnis Niedersachsen am Samstag und Sonntag das «Wochenende der offenen Streuobstwiese». Führungen sollen über alte Obstsorten, Pflanzen und Insekten aufklären, die auf den Wiesen stehen. Insgesamt 17 Veranstaltungen sind für das Wochenende geplant. Wegen der Corona-Vorgaben und den Teilnehmer-Beschränkungen sind einige Veranstaltungen anmeldepflichtig.

Nicht zuletzt durch die Änderung des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes und die Aufnahme des Streuobstanbaus in die Liste des Immateriellen Kulturerbes sei in den vergangenen Monaten den Streuobstwiesen mehr Wertschätzung entgegengebracht worden, sagt Sabine Washof, Vorsitzende des Streuobstwiesen-Bündnisses Niedersachsen. Allerdings müsse die Bevölkerung mehr über diese artenreichen Biotope informiert werden. Mit dem Wochenende der offenen Streuobstwiese sollen auch mehr Mitstreiter gefunden werden, die die Wiesen pflegen und schützen. Mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten leben auf den Streuobstwiesen.

Seit der Änderung des niedersächsischen Naturschutzgesetzes im November 2020 seien Streuobstwiesenbestände ab einer Fläche von 2500 Quadratmetern mit Obstbäumen ab 1,60 Stammhöhe besonders geschützt, erklärte eine Sprecherin des Streuobstbündnisses. Im März 2021 wurde der Streuobstanbau zum Immateriellen Kulturerbe erklärt. Von 2007 bis 2017 sei die Fläche der Streuobstwiesen in Niedersachsen von 549 auf 891 Hektar gewachsen. Die Anbaufläche für Bio-Streuobst in Niedersachsen beträgt 2021 335 Hektar, ein Jahr zuvor waren es noch 305 Hektar.

In Niedersachsen kommen Streuobstwiesen vorrangig im Leine- und Weserbergland, im südlichen Harzvorland und im Eichsfeld vor. Vereinzelt gibt es sie auch in Göttingen, Holzminden und Osterode. Eine landesweite Erfassung der Wiesen gibt es allerdings nicht. «Obwohl die Streuobstflächen und die Flächen des Bio-Streuobst langsam steigen, sind Streuobstwiesen europaweit stark gefährdete Biotope und es ist im Vergleich zu 1975 ein Rückgang von mehr als 75 Prozent zu verzeichnen», sagte die Sprecherin.

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