Kita-Fachkräfte fehlen: Personal stark aufgestockt

24.08.2021 Damit in Kitas gute Bedingungen herrschen, braucht es viel mehr Erzieher, als in diesem Jahrzehnt ausgebildet werden können - so die Prognose einer Studie. In Niedersachsen wurde das Personal schon stark aufgestockt - doch reicht das?

Jacken und Taschen hängen im Eingangsbereich in einem Kindergarten. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Für eine kindgerechte Personalausstattung bei gleichzeitigem Kitaplatzausbau fehlen einer aktuellen Studie zufolge bis 2030 bundesweit mehr als 230.000 Erzieher und Erzieherinnen. Das geht aus am Dienstag vorgelegten Analysen der Bertelsmann-Stiftung hervor. Die Lücke zwischen voraussichtlichem Angebot an Fachkräften und dem prognostizierten Bedarf lasse sich dieses Jahrzehnt nicht vollständig schließen, so die Autorinnen der Studie.

In Niedersachsen ist laut Prognose aber voraussichtlich genug Personal vorhanden, um genügend Kita-Plätze anzubieten. Zwischen 2011 und 2020 habe ein enormer Ausbau des frühkindlichen Bildungssystems zu einem Anstieg des Kita-Personals um 61 Prozent auf 58.189 Beschäftigte geführt; in den Horten seien es rund 48 Prozent bzw. 3959, wie aus der Studie hervorgeht.

Hingegen ließe sich in Bremen der Bedarf an Plätzen nicht decken, ohne über die bis 2030 prognostizierten Ausbildungskapazitäten hinaus zusätzliche Fachkräfte auszubilden.

Die Prognosen zeigten dagegen, dass es bei zusätzlichen Anstrengungen durchaus realistisch sei, das Ost-West-Gefälle noch in diesem Jahrzehnt aufzulösen: Noch immer gibt es im Westen zu wenig Plätze, während im Osten eine Fachkraft deutlich zu viele Kinder betreut.

Die aktuellsten Daten der Bertelsmann-Stiftung belegen für das vergangene Jahrzehnt bereits einen «enormen quantitativen sowie qualitativen Ausbau des frühkindlichen Bildungssystems». So arbeiteten 2020 mehr als 635.000 Fachkräfte in Kitas - ein Anstieg um 61 Prozent im Vergleich zu 2011.

Der Personalzuwachs liegt am massiven Kitaplatzausbau: Fast 61 Prozent der Kinder bis sechs Jahre besuchen inzwischen eine Kita oder andere vorschulische Einrichtung - ein Anstieg von 22 Prozent seit 2011. Die größten Sprünge gab es im Westen bei den Unter-Dreijährigen: 2020 hatten 31 Prozent der jüngeren Kinder einen Betreuungsplatz, 2011 waren es knapp 20 Prozent. In Niedersachsen sieht es ähnlich aus: 32,9 Prozent stehen 19,1 in 2011 gegenüber; in Bremen sind es 29,0 zu 19,6.

Verbessert haben sich auch die Personalschlüssel in den allermeisten Bundesländern. Die Kitas bieten eine bessere Qualität als in Ostdeutschland, wo rechnerisch eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft elf Ganztags-Kindergartenkinder betreut - in Niedersachsen sind es acht. Kindgerecht sei das allerdings noch nicht, heißt es in der Studie. Nach wissenschaftlichen Empfehlungen sollte der Personalschlüssel für Kinder ab drei Jahren bei 1 zu 7,5 liegen.

Der erstmals von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte «Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule» prognostiziert, dass bis 2030 mit den bestehenden Ausbildungskapazitäten in Niedersachsen fast 25.000 Personen in den Beruf eintreten werden. Für eine kindgerechte Personalausstattung in allen Kitas würden aber rund 14.000 Erzieher und Erzieherinnen zusätzlich benötigt.

Die Ausbildungskapazitäten sollten aufgestockt und genügend Quereinsteiger gewonnen werden, sagte die Bildungsexpertin der Stiftung, Kathrin Bock-Famulla. Trotz sinkender Geburtenzahlen dürften keine Fachkräfte entlassen werden.

Mehr Qualität in Form eines verbesserten Fachkraft-Kind-Schlüssels und bedarfsorientierter Betreuungsangebote im Bereich der frühkindlichen Bildung forderte die Landeselternvertretung. «Die Maßnahmen müssen jetzt beginnen und nicht erst ab 2027. Darüber hinaus sind höhere Investitionen zwingend notwendig, um eine im bundesweiten deutschen Durchschnitt vergleichbare qualitative frühkindliche Bildung in Niedersachsen zu gewährleisten», sagte die Vorsitzende Christine Heymann-Splinter.

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