Zehn Kommunen werden Teil der Biosphärenregion Wattenmeer

20.08.2021 Das Biosphärenreservat Wattenmeer soll wachsen. In einer sogenannten Entwicklungszone auf den Inseln und entlang der Küste sollen nachhaltige Projekte modellhaft erprobt werden. Zum Start sind fünf Städte und fünf Gemeinden als «Biosphärengemeinden» dabei.

Wattenmeer. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Fünf Städte und fünf Gemeinden entlang der Küste werden Teil einer neuen sogenannten Entwicklungszone des Unesco-Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer. In diesem Gebiet, zu dem Siedlungsräume auf den Inseln und auf dem Festland gehören, sollen künftig Modellprojekte zur Nachhaltigkeit gefördert werden. Jede Kommune kann dabei eigene Schwerpunkte bestimmen, zum Beispiel den Aufbau von Wertschöpfungsketten für regionale Produkte, die Gestaltung von umweltverträglichem Tourismus oder nachhaltiger Mobilität, wie die Nationalparkverwaltung mitteilte.

Vertreter der teilnehmenden Kommunen unterzeichneten am Freitag auf Schloss Gödens bei Sande (Kreis Friesland) eine Kooperationsvereinbarung mit dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Dieser ist die zuständige Verwaltungsstelle der Biosphärenregion.

Für einen Beitritt ausgesprochen haben sich die Städte Norden, Nordenham, Schortens und Wilhelmshaven sowie die Stadt Geestland mit den Ortschaften Imsum und Langen; außerdem die Gemeinden Jemgum, Sande, Spiekeroog, Zetel und die Samtgemeinde Hage. In einigen Kommunen laufen Entscheidungsverfahren über einen Beitritt noch.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) sagte, der Titel Unesco-Biosphärenregion sei eine Auszeichnung. Für die teilnehmenden Kommunen bedeute dies, nicht nur die die Natur zu bewahren, sondern auch zukünftiges Handeln nachhaltig zu gestalten. «Und zwar im Einklang mit Umwelt und Klima». Er hoffe, dass sich noch weitere Kommunen der Biosphärenregion anschließen werden.

Die Ausweisung einer Entwicklungszone ist nach Unesco-Vorgaben notwendig, damit das Wattenmeer langfristig als Biosphärenregion anerkannt bleibt. Die Unesco hatte das Wattenmeer 1993 auf der Fläche des Nationalparks als Biosphärenreservat anerkannt. Kommunen auf den Inseln und an der Küste konnten selbst entscheiden, ob sie nun Teil der Entwicklungszone werden wollen. Für eine Teilnahme infrage kamen mehr als 30 Kommunen.

Bislang hat das Biosphärenreservat zwei Zonen, die dem Nationalpark entsprechen und in denen die Natur besonders geschützt ist. Es gibt eine Kernzone, in der der Einfluss des Menschen auf ein Minimum reduziert ist, und eine Pflegezone, in der umweltverträgliche menschliche Aktivitäten zulässig sind - etwa der Tourismus oder Fischerei. Mit der Entwicklungszone werden nun Siedlungsräume in die Biosphärenregion einbezogen, um nachhaltige Projekte zu entwickeln. Mit den geschlossenen Vereinbarungen können die Kommunen beginnen, konkrete Projektideen und Arbeitsprogramme an ihren Orten auszuarbeiten, wie die Nationalparkverwaltung mitteilte.

Die Ausweisung der Entwicklungszone hatte zuletzt auch für Sorge bei Landwirten insbesondere in Ostfriesland gesorgt. Sie fürchten Bewirtschaftungsauflagen, die sich durch den Beitritt ihrer Kommunen ergeben könnten. Umweltminister Lies verwies darauf, dass Einschränkungen etwa beim Planungsrecht oder Umweltauflagen durch einen Beitritt mit einer Novelle des Nationalparkgesetzes im Juni ausgeschlossen wurden. Nun müsse es darum gehen, verloren gegangenes Vertrauen bei den Landwirten zurückzugewinnen, sagte Lies.

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