Bahnstreik trifft auch den Nordwesten: Nur wenige Züge

10.08.2021 Zugausfälle, Verspätungen, genervte Fahrgäste - so könnte es bei der Bahn in den kommenden Tagen auch in Niedersachsen und Bremen aussehen. Aber nicht nur Privatkunden droht der Streik der Lokführergewerkschaft auszubremsen.

Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der geplante Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) dürfte für Bahnkunden auch im Nordwesten erhebliche Einschränkungen bedeuten - vor allem rund um den wichtigen Knotenpunkt Hannover. Zwar wollte sich die GDL bei den Schwerpunkten des Ausstands noch nicht in die Karten schauen lassen. Aus der Leitung des Bezirks Nord in Hamburg hieß es am Dienstagnachmittag aber: «Wir gehen davon aus, dass nur wenige Züge fahren - bei der S-Bahn und bei den Regionalzügen wie auch im Fernverkehr.»

Der Personenverkehr der Deutschen Bahn wird am Mittwoch und Donnerstag bundesweit bestreikt, im Güterverkehr sollte der Ausstand bereits am Dienstagabend beginnen.

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn erklärte: «Alle müssen sich darauf einstellen, dass es Ausfälle und Verspätungen gibt.» Näheres zu den Engstellen werde man im Laufe des Mittwochs wissen. Das Unternehmen verwies auf regionale Informationen im Internet und in der App DB-Navigator, die man stets möglichst aktuell halte.

Die Lokführergewerkschaft, die auch in anderen Berufsgruppen des Bahnkonzerns Mitglieder hat, rechnete mit einer hohen Mobilisierung. Man werde sich bemühen, dass andere Bahnunternehmen «einigermaßen ihren Betrieb aufrechterhalten können».

Der Streik könnte wegen fehlenden Personals etwa in Bahnhöfen, Stellwerken oder Leitstellen indirekt ebenso Folgen für Wettbewerber haben. «Auch Kolleginnen und Kollegen bei DB Netz und bei DB Station und Service sind arg unzufrieden», so die Gewerkschaft. Rund 95 Prozent der teilnehmenden GDL-Mitglieder hatten sich in einer Urabstimmung zum Tarifstreit für den Streik ausgesprochen.

Die regionalen Anbieter Metronom, Enno und Erixx wollen planmäßig fahren. Streikende Bahnbeschäftigte in der Infrastruktur könnten allerdings «Einfluss auf die Fahrten» haben, hieß es am Nachmittag.

Hannover ist im überregionalen Zugverkehr eine wichtige Schnittstelle sowohl für die Ost-West- als auch für die Nord-Süd-Verbindungen in Deutschland. Bei früheren Bahnstreiks war es um die niedersächsische Landeshauptstadt mehrmals zu starken Beeinträchtigungen gekommen - teils waren Fahrgäste auch nachts gestrandet und mussten in eigens bereitgestellten Waggons übernachten. So etwas sei bisher nicht geplant, hieß es bei der Bahn zunächst. «Wir werden sehen, wie sich die Lage im Laufe des morgigen Tages entwickelt.» Wer könne, solle seine Reise nach Möglichkeit verschieben. Aber auch der Nahverkehr um größere Städte wie Hannover oder Osnabrück dürfte betroffen sein.

Die Bahn will versuchen, am Mittwoch und Donnerstag ein Viertel ihrer Verbindungen im Fernverkehr anzubieten. Priorität haben die besonders stark genutzten Strecken zwischen Berlin und dem Rhein-Ruhr-Gebiet sowie zwischen Hamburg und Frankfurt, die beide über Hannover führen. Gegenüber den Fahrgästen wolle man sich kulant zeigen, die Fahrkarten länger gelten lassen oder erstatten. Im Regionalverkehr werde das ebenfalls sehr eingeschränkte Angebot regional sehr stark schwanken.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) kritisierte die GDL-Entscheidung für die Arbeitsniederlegungen. «Bei allem Respekt für das Streikrecht - wirtschaftlich gesehen kommt dieser Streik zur absoluten Unzeit», meinte er. Man müsse die Folgen für die Wirtschaft im Blick haben, deren Logistik und Zulieferungen bereits durch die Corona-Krise strapaziert seien: «Für unsere niedersächsischen Unternehmen bringt dieser kurzfristige Streik ernsthafte Probleme mit sich.» Auch Pendler und Urlauber litten darunter - und weniger, vollere Züge seien in der Pandemie riskant.

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