Festakt für Friesenbrücke wegen Hochwasserlage abgesagt

15.07.2021 Die Kollision eines Frachters mit der Friesenbrücke änderte vor mehr als fünf Jahren das Zusammenleben an der Ems in Ostfriesland. Mit einem Festakt sollte nun der Neubau beginnen. Doch wegen der heftigen Überschwemmungen im Westen Deutschlands wird daraus vorerst nichts.

Ein Blick auf die bei einer Kollision zerstörte Friesenbrücke. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der bei vielen Anwohnern, Pendlern und Touristen lang erwartete Baustart für die neue Friesenbrücke über die Ems bei Weener (Kreis Leer) ist verschoben worden. Die Bahn teilte mit, den für diesen Freitag (16.7.) geplanten symbolischen Festakt angesichts der Bilder von der katastrophalen Hochwasserlage im Westen Deutschlands abzusagen. Nun soll der Festakt zum Baustart am Freitag kommender Woche (23.7.) nachgeholt werden, sagte eine Bahnsprecherin am Donnerstag. Zu einer Verzögerung der Fertigstellung des Bauvorhabens komme es durch die Verschiebung nicht.

Nach schweren Unwettern sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende Menschen wurden bis zum Donnerstagmittag noch vermisst. Mit dem Festakt für den Neubau der Friesenbrücke, sei eine fröhliche Veranstaltung geplant gewesen, diese passe aber nicht zu den schlimmen Ereignissen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, sagte die Bahnsprecherin. Zu dem ersten symbolischen Spatenstich waren unter anderem Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) und DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla erwartet worden. Die Ems selbst ist nicht von dem Hochwasser betroffen.

Die Friesenbrücke ist seit einer Kollision im Dezember 2015 weitgehend zerstört. Der niederländische Frachter «Emsmoon» hatte die geschlossene insgesamt 335 Meter lange Klappbrücke gerammt. Die Verbindung für Fußgänger, Radfahrer und den Bahnverkehr, eine wichtige Lebensader der Region, ist seitdem unterbrochen. Wer aus Weener westlich der Ems oder Westoverledingen östlich der Ems über den Fluss möchte, muss Umwege in Kauf nehmen.

Mit dem Neubau soll nun die Bahnverbindung, die auch die Kreisstadt Leer mit den Niederlanden verknüpft, wieder hergestellt werden. Bis es soweit ist müssen sich Anwohner und Zugreisende aber noch gedulden. Der Plan sieht vor, den grenzüberschreitenden Bahnverkehr zum Fahrplanwechsel 2024/2025 aufzunehmen. Nach Bahn-Angaben liegt das Bauvorhaben im Zeitplan. Zunächst sollen ab Oktober die alten Brückenelemente und Pfeiler im Flussbett abgetragen werden, der eigentliche Brückenneubau soll dann im April 2022 beginnen.

Der Landrat des Kreises Leer, Matthias Groote, sagte vor der Absage des Festaktes am Donnerstag, dass mit dem geplanten Baustart nun der erste sichtbare Schritt für den Neubau der Friesenbrücke anstehe. «Der Spatenstich kommt im Europäischen Jahr der Schiene und im Kontext der geplanten und bereits angeschobenen Wunderline-Projekte zur richtigen Zeit», teilte der SPD-Politiker mit. «Wichtig ist es - und das betone ich mit Nachdruck - nunmehr mit aller Kraft dafür zu sorgen, dass es zu keinen Verzögerungen kommt und die veranschlagte Bauzeit eingehalten wird, damit wir im Jahr 2024 die Inbetriebnahme feiern können.»

Lange wurde um die passende Brücken-Variante gerungen. Zunächst war eine Reparatur der Klappbrücke im Gespräch. Dann schlug die Meyer Werft einen modernen Neubau als Drehbrücke vor. Die neue Brücke, über die auch ein Fuß- und Radweg führen wird, soll nun ein 145 Meter langes, bewegliches Brückenteil haben, das auf einem Drehpfeiler ruht. Binnen sieben Minuten soll sich so die Brücke für Frachter und die Kreuzfahrtschiffe der Papenburger Meyer Werft öffnen.

Ein deutlicher Wermutstropfen sind die gestiegenen Baukosten des neuen Bauwerks: Wie kürzlich bekannt wurde, gehen die Planer nun von bis zu 125 Millionen Euro Investitionen aus - zuvor waren mit 66 Millionen die Kosten gerade einmal halb so hoch kalkuliert worden. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Victor Perli hielt angesichts der Kostensteigerung eine rechtzeitige Fertigstellung der Brücke bis 2024 zuletzt für unwahrscheinlich. «Die Bahn hat mit einer so großen Drehbrücke keine Erfahrung», lautete kürzlich seine Kritik.

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