Erster direkter Güterzug aus China rollt zum JadeWeserPort

13.07.2021 Eine neue Güterzugverbindung aus Fernost soll dem JadeWeserPort in Wilhelmshaven zusätzlichen Schwung geben. Am Dienstag traf ein erster Zug aus China ein. Nach dem Willen der Marketinggesellschaft des Hafens sollen schon bald weitere folgen.

Der erste Güterzug aus China kommt am Güterverkehrszentrum an. Foto: -/JadeWeserPort/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach mehr als 10.000 Kilometern und 18 Tagen Fahrtzeit hat ein erster direkter Güterzug aus China den Tiefwasserhafen JadeWeserPort in Wilhelmshaven erreicht. Der Zug fuhr am Dienstagmittag im Güterverkehrszentrum ein, wie die Marketinggesellschaft des Hafens mitteilte. Den Angaben zufolge handelte es sich um den ersten Direktzug überhaupt, der über die sogenannte Neue Seidenstraßeninitiative der Volksrepublik nach Niedersachsen rollte.

Der Zug ist mit rund 100 Containern voller Haushaltsgeräte, Textilien und Elektroartikel beladen. Am 25. Juni war der Transport in Hefei, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Anhui, gestartet und hatte bei seiner Fahrt nach Niedersachsen auch Kasachstan, Russland, Belarus und Polen passiert. Betreiber der Zugverbindung ist das staatliche Hafenunternehmen Hefei International Land Port (HILP).

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nahm den Zug zusammen mit Hafen-Vertretern und dem chinesischen Generalkonsul Du Xiaohui in Empfang. Weil betonte die mehr als 35 Jahre lange Partnerschaft Niedersachsens mit der Provinz Anhui. «Niedersachsen zeigt mit dieser Verbindung, dass unsere Schieneninfrastruktur als Bestandteil der neuen Seidenstraße fungieren kann», sagte er.

Aus Sicht der JadeWeserPort-Marketinggesellschaft soll die Zugverbindung eine Ergänzung zu dem Containerschiffverkehr bieten. «Die Verbindung ist interessant für Güter, die zügig transportiert werden müssen und dringend benötigt werden», sagte Geschäftsführer Andreas Bullwinkel. Während Güter aus China Wilhelmshaven auf der Schiene nach rund 20 Tagen erreichten, würde ein Transport per Schiff bis zu 32 Tage dauern. Eine Konkurrenz zur Schifffahrt sei die Zugverbindung aber nicht, da Frachter mit bis zu 23.000 Containern viel mehr Masse transportieren könnten, betonte der Manager.

An anderen Orten in Deutschland, wie etwa Duisburg, kommen bereits regelmäßig Züge aus China an. Wilhelmshaven kommt nun als weiterer Endpunkt im Schienenverkehr hinzu. Im Hafen sollen die Güter weiter umgeschlagen werden. Davon würden Dienstleister im Hafen profitieren, aber auch der Hafen selbst, sagte Bullwinkel. Etwa sei künftig denkbar, eilige Güter aus Fernost mit Ziel Skandinavien im Hafen von der Schiene auf Schiffe umzuladen. Für den JadeWeserPort sei die neue Zugverbindung ein Meilenstein, sagte der Geschäftsführer.

Auch rund neun Jahre nach seiner Eröffnung ist Deutschlands einziger Tiefwasserhafen noch nicht ausgelastet und gilt als Sorgenkind unter den neun niedersächsischen Seehäfen. Im ersten Corona-Jahr 2020 wurden in Wilhelmshaven nur 423.000 Standardcontainer umgeschlagen. Das entsprach im Vergleich zu 2019 einem Rückgang von 33,8 Prozent. Ausgelegt ist das Container Terminal für einen Jahresumschlag von 2,7 Millionen Standardcontainern.

Die neue Zugverbindung, so die Hoffnung der Hafenbetreiber, könnte auch der Ansiedlung eines der größten chinesischen Logistikunternehmen, China Logistics, zu Gute kommen. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr angekündigt, rund 100 Millionen Euro am JadeWeserPort in ein Logistikzentrum zu investieren. Wegen der Corona-Pandemie kam es zuletzt zu Verzögerungen, nun sei die Ansiedlung aber auf dem Weg, sagte Bullwinkel. China Logistics sei auch «ein Baustein» im Konzept der neuen Zugverbindung.

«Das Ziel, was wir mit unseren chinesischen Partnern haben, ist, einmal im Monat einen Zug nach Wilhelmshaven zu bekommen», sagte Bullwinkel. Für den Aufbau eines regelmäßigen Verkehres sollen nun Verträge geschlossen werden. Wann der nächste Zug nach Wilhelmshaven fährt, ist aber noch unklar.

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