Prozess nach zehn Jahren: Hat sich der Mörder verplappert?

11.07.2021 Im Dezember 2011 wird in Helmstedt ein Mann tot in seiner Wohnung gefunden. Die Ermittler haben zwar einen Verdächtigen im Visier, für eine Anklage reicht es aber nicht. Fast zehn Jahre später macht der Mann plötzlich Angaben, die ihn nun doch vor Gericht bringen.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hat sich ein Mörder fast zehn Jahre nach der Tat bei den Ermittlern selbst verraten? Unter anderem die eigenen Aussagen als Zeuge zu einem Mordfall vom Dezember 2011 in Helmstedt haben den heute 48-jährigen Mann auf die Anklagebank gebracht, wie Staatsanwalt Hans Christian Wolters sagte. Ende Juli beginnt am Landgericht Braunschweig der Prozess gegen den Tatverdächtigen aus dem Raum Helmstedt. Die Anklage wirft ihm einen heimtückischen Mord aus Habgier vor. (9 Ks 115 Js 61320/11 (9/21))

Am Tattag im Dezember 2011 soll der Mann mit einem Messer zur Wohnung eines 42-Jährigen gegangen sein. Als dieser die Haustür öffnete, soll der mutmaßliche Täter direkt zugestochen und dabei die Halsschlagader des Opfers verletzt haben. Mit EC-Karte und 100 Euro soll der Angeklagte den Tatort verlassen haben. Der Tote wurde zwei Tage später in der Wohnung gefunden. Die Männer - beides Deutsche - gehörten laut Staatsanwaltschaft zu einem größeren Bekanntenkreis, dessen Mitglieder teils starke Alkoholprobleme hatten.

Schon kurz nach der Tat geriet der Verdächtige in den Fokus der Ermittler. Ausreichend Beweise hätten sich aber nicht ergeben, sagte Wolters. Das Verfahren wurde eingestellt. In den Folgejahren wurde der Mann aber mehrmals als Zeuge vernommen. Eine Mitte 2019 ins Leben gerufene Braunschweiger Ermittlungsgruppe befasste sich erneut mit dem Fall. Untersuchungen des Landeskriminalamts ergaben demnach Anhaltspunkte für eine Neubewertung. Die Braunschweiger Polizei bildete daher im September 2020 eine Mordkommission.

Bei einer erneuten Befragung im Dezember 2020 soll der Angeklagte dann Angaben mit Täterwissen gemacht haben. «Da sind ihm Sachen rausgerutscht, die ihn nach unserer Überzeugung überführt haben», sagte Staatsanwalt Wolters. Seit Januar sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Die widersprüchlichen Aussagen und ein Abdruck eines Sportschuhs im Blut des Opfers ließen die Strafverfolger zur Überzeugung kommen, doch noch den Täter gefunden zu haben.

Laut Staatsanwalt Wolters streitet der Verdächtige die Tat ab. Demnach hat er den Toten nur in der Wohnung gefunden. Den Rettungsdienst oder die Polizei verständige er Wolters zufolge aber nicht. Der Mordprozess beginnt am 23. Juli. Bis Mitte Oktober sind sieben Verhandlungstage eingeplant.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Job & geld

Steuerrecht: Ist Unternehmenübertragung an Arbeitnehmer eine Schenkung?

Testberichte

Sportliches Cabrio: Testfahrt: Der Mercedes SL erweckt eine Legende zum Leben

Sport news

Tennis: Ash Barty siegt bei Australian Open erneut im Eiltempo

People news

Regisseur: Oscar-Ehren mit «La La Land» - Damien Chazelle wird 37

Internet news & surftipps

Videospiele: Microsoft kauft Spielefirma Activision Blizzard

Internet news & surftipps

Forschungszentrum: Quantensprung: Start für neuen Computer in Jülich

Internet news & surftipps

2G oder 3G - plus: Neue Version der Corona-Warn-App zeigt Status an

Musik news

Song Contest: Wer fährt für Deutschland zum ESC?

Empfehlungen der Redaktion

Regional niedersachsen & bremen

Mordprozess zehn Jahre nach der Tat gegen 48-Jährigen

Regional niedersachsen & bremen

Prozess fast zehn Jahre nach Tat: Lebenslange Haft gefordert

Regional niedersachsen & bremen

Mord: Mann nach zehn Jahre zu lebenslanger Haft verurteilt

Regional berlin & brandenburg

Prozess um «Tiergartenmord»: Zeuge erkennt Angeklagten

Regional bayern

Doppelmord aus Eifersucht? Plädoyers in Prozess erwartet

Regional sachsen

Mordprozess am Landgericht Görlitz

Regional berlin & brandenburg

Tötung eines Säuglings angeklagt: Zeuge entsetzt

Panorama

Justiz: Kannibalismus-Verdacht: Mordprozess gegen Lehrer in Berlin