Niedersachsen erleichtert Homeoffice für Landesbeschäftigte

01.07.2021 Viele Menschen haben es in der Pandemie zu schätzen gelernt, von zuhause aus zu arbeiten. Für die Beschäftigten des Landes soll mobiles Arbeiten auch künftig leichter möglich sein. Land und Gewerkschaften haben sich auf neue Rahmenbedingungen geeinigt.

Eine Frau arbeitet im Homeoffice. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die rund 230.000 Beschäftigten der niedersächsischen Landesverwaltung sollen künftig leichter im Homeoffice arbeiten können, wenn ihre dienstliche Tätigkeit es zulässt. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen der Landesregierung und den Spitzenorganisationen der Gewerkschaften trat am Donnerstag in Kraft. Sie legt einheitliche und verbindliche Rahmenbedingungen fest, zu denen in den unterschiedlichen Dienststellen mehr Homeoffice ermöglicht werden soll.

So sollen die Beschäftigten künftig zum Beispiel unabhängig von sogenannten Sozialkriterien wie Kinder- oder Angehörigenbetreuung die Arbeit im Homeoffice beantragen können. «Entscheidend ist jetzt die konkrete dienstliche Tätigkeit», sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Donnerstag. Für viele Beschäftigte bei der Polizei, in der Justiz, in Schulen oder im Straßenbau seien mobile Arbeitsformen beispielsweise nicht geeignet. Wer einen hohen Teil seiner Arbeitszeit Zuhause ableistet, soll bei der Einrichtung seines Arbeitsplatzes unterstützt werden.

«Wir schlagen damit ein neues Kapitel der Arbeitskultur in Niedersachsen an», sagte Pistorius. Die Bedeutung mobiler Arbeitsformen habe in der Corona-Pandemie zugenommen. Als größter Arbeitgeber in Niedersachsen wolle das Land «modern und flexibel» sein. Es gehe auch darum, die Vereinbarkeit von Privatem und Beruf zu verbessern und als Arbeitgeber auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben.

Der Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Niedersachsen betonte, dass mehr Homeoffice auch mehr Barrierefreiheit bedeute und die Integration von Menschen mit Behinderungen in Arbeitsprozesse vorantreibe. Auch in künftigen Krisensituationen könne von einer mobilen und digitalen Arbeitsinfrastruktur profitiert werden.

Gleichzeitig berge das Arbeiten Zuhause auch eine Gefahr der Entgrenzung: Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten beiderseits darauf achten, dass etwa Pausen eingehalten werden. Frank Bornemann vom niedersächsischen Richterbund wies darauf hin, dass die mobilen Arbeitsformen ein hohes Maß an Kommunikation zwischen allen Beteiligten erfordere und auch gerade für Führungskräfte mit neuen Herausforderungen verbunden seien.

Wie das Innenministerium mitteilte, nehmen derzeit mehr als drei Viertel der Landesbeschäftigten, für die es möglich ist, Homeoffice in Anspruch. Während zum Beispiel der Landesrechnungshof fast vollständig im Homeoffice arbeiten kann, ist der Anteil im Justizressort, zu dem auch der Strafvollzug gehört, überschaubar.

Insgesamt scheint das Homeoffice in Niedersachsen beliebt zu sein: Wie aus einer Befragung der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervorgeht, können sich 41 Prozent der Beschäftigten vorstellen, künftig mindestens die Hälfte der Zeit Zuhause zu arbeiten. Hinzu kommen 10 Prozent, die fast gar nicht mehr ins Büro möchten. Vor der Pandemie arbeiteten demnach in Niedersachsen nur 11 Prozent der Beschäftigten mehrmals pro Woche im Homeoffice.

Was die Beschäftigten der Befragung zufolge vor allem schätzen, ist der Zeitgewinn, weil der Weg zur Arbeit wegfällt (68 Prozent). Die Aufgaben lassen sich nach Ansicht vieler auch gezielter über den Tag verteilen (60 Prozent). Und gut drei Viertel (76 Prozent) sind der Auffassung, dass sie Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können. Die Kehrseite: Die Arbeit daheim führt häufig zu Bewegungsmangel und Gewichtszunahme. So sagten 72 Prozent, dass sie sich im Homeoffice weniger bewegen, 37 Prozent sogar deutlich weniger.

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