Arbeitsmarkt stabilisiert sich: Wenig Chancen für Ungelernte

30.06.2021 Viele Jobsuchende, Ökonomen und Arbeitsmarktpolitiker atmen durch: Das Ärgste scheint nach dem Corona-Tief vorbei zu sein. In mehreren Branchen steigt das Stellenangebot stetig an. Jedoch richtet sich der Bedarf der Betriebe vor allem auf Fachleute, die oft weiter fehlen.

Das Logo der Bundesagentur für Arbeit ist an einer Fassade angebracht. Foto: Fabian Strauch/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Nordwesten hat sich im Juni weiter gefestigt - gesucht sind nun aber besonders besser Qualifizierte. Nachdem die übliche saisonale Belebung im Frühjahr noch verzögert eingesetzt hatte, meldete die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch für Niedersachsen im abgelaufenen Monat knapp 242.000 Menschen ohne Job.

Das waren 3,0 Prozent weniger als im Mai. Die Quote nahm um 0,2 Punkte auf 5,5 Prozent ab. Auch im Bundesland Bremen besserte sich das Bild, hier sank die Zahl der Arbeitslosen um 2,9 Prozent auf rund 39.000 Menschen - entsprechend einem Rückgang der Quote von 11,0 auf 10,7 Prozent. Berücksichtigt sind Daten bis einschließlich 14. Juni.

Der Trend einer Belebung setzte sich damit insgesamt fort, im Mai waren die Arbeitslosenzahlen ebenfalls schon rückläufig gewesen. Davor hatte sich die Situation nach den erheblichen Folgen der Corona-Krise im Herbst und Winter zunächst nur zögerlich aufgehellt.

Verglichen mit dem Juni 2020, als Betriebe nach dem ersten Lockdown etliche Jobs streichen oder Kurzarbeit anmelden mussten, kehrt nun Entspannung ein: Die Zahl der offiziell als arbeitslos Registrierten lag in Niedersachsens Kommunen im Schnitt um 8,6 Prozent unter dem Wert vor einem Jahr. Es gab zudem fast 70 Prozent mehr neue Stellen. In Bremen suchten 8,3 Prozent weniger Menschen einen Job als noch im Juni des Vorjahres, bei gleichzeitig 30 Prozent mehr freien Stellen.

Die Chancen, einen neuen Arbeitsvertrag zu bekommen, verschoben sich zuletzt aber in Richtung von Bewerbern mit passender Qualifikation. Helfer und Ungelernte haben es dagegen schwer. BA-Regionalchef Johannes Pfeiffer erklärte: «Qualifizierung ist das A und O für ein gutes Berufsleben. Die großen Themen Transformation, Digitalisierung und Klimawandel machen lebenslanges Lernen heute wichtiger denn je.»

Die Beratungen für Weiterbildungen und Umschulungen seien daher seit Jahresbeginn erweitert worden. Viele Unternehmen sind hier ebenso aktiv, doch die Kosten des industriellen Umbruchs sind beträchtlich.

Außerdem besteht auch in der Wirtschaft die Sorge, dass sich trotz der aktuell niedrigen Inzidenzen die aggressivere Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland breit durchsetzt. Dies könnte womöglich zu neuen Einschränkungen und Ausfällen führen. Zahlreiche Firmen haben darüber hinaus weiter Probleme, geeignete Auszubildende zu finden.

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