Küstenschutz reagiert auf Klimawandel: höhere Deiche geplant

29.06.2021 Infolge des Klimawandels steigt der Meeresspiegel - auch höhere Sturmfluten könnten damit drohen. Der Küstenschutz in Niedersachsen will vorbereitet sein und plant langfristig höhere Deiche. Das aber kostet Geld.

Eine Raupe fährt auf einem Deichabschnitt. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein steigender Meeresspiegel, stärkere Regenfälle und lange Trockenperioden - Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat angesichts der dramatischen Folgen des Klimawandels zum Handeln beim Klimaschutz aufgerufen. Wenn die Herausforderungen des Klimawandels nicht angegangen würden, hätte das noch viel drastischere Folgen, sagte Lies am Dienstag in Aurich. «Wir reden über Folgen, die eine Generation, die heute schon da ist, erleben wird.»

Anlass war die Vorstellung des Jahresberichts 2020/2021 des Niedersächischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Viele von dessen Vorhaben und Projekte würden das Land vor den zu erwartenden Klimaveränderungen schützen, betonte Lies, der zusammen mit NLWKN-Direktorin Anne Rickmeyer Schwerpunkte vorstellte.

HOCHWASSER - Der NLWKN geht davon aus, dass der Klimawandel insbesondere für die Wasserwirtschaft massive Folgen haben wird. In einem Forschungsprojekt werden bereits jetzt die zukünftigen Entwicklungen der Hochwasserverhältnisse sowie der Grundwasserstände untersucht, um dafür Handlungskonzepte abzuleiten. Ohne Maßnahmen für mehr Klimaschutz könne das Ausmaß durch extremen Niederschlag, also etwa Starkregen, deutlich zunehmen, sagte Rickmeyer. Die Folge könnten stärkere Hochwasser sein.

Daten des NLWKN zeigen demnach, dass die Niederschlagsmengen im Winterhalbjahr in den vergangenen Jahren bereits zunahmen. Die Sommer könnten den Experten zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts ohne Klimaschutzmaßnahmen dagegen trockener werden. Davon wären besonders der Südharz und die nördliche Geest betroffen.

DEICHERHÖHUNG - Um sich für einen steigenden Meeresspiegel und höhere Sturmflutscheitel zu wappnen, plant der NLWKN langfristig eine Erhöhung der Deiche an der Nordseeküste. Das sogenannte Vorsorgemaß, quasi der Sicherheitsaufschlag auf den Deichen, soll von derzeit 50 Zentimetern auf einen Meter aufgestockt werden. Die Erhöhung soll für die nächsten 100 Jahre ausreichend Sicherheit und Reaktionszeit für Anpassungen geben, falls der Meeresspiegel stärker ansteigen sollte als bislang prognostiziert.

Zudem sollen neue Deiche so gebaut werden, dass diese bei Bedarf auch noch einmal um bis zu einen Meter erhöht werden könnten. Dazu wird mehr Platz am Deichfuß an der Binnenseite eingeplant. Aktuell sind die niedersächsische Deiche an der Küste zwischen acht und zehn Metern hoch.

KOSTEN - Die erhöhten Deiche werden laut NLWKN-Experten allerdings auch zwischen 10 und 20 Prozent mehr kosten. Minister Lies appellierte daher an den Bund, grundsätzlich mehr Geld bereitzustellen: «Wir werden mehr Geld für den Küstenschutz brauchen.» In diesem Jahr stehen Mittel in Höhe von 61,6 Millionen Euro von Bund und Ländern bereit. Künftig müssten es laut Lies mindestens 100 Millionen Euro jährlich sein, etwa um Deiche auszubauen, zu unterhalten und auch um ausreichend Planungskapazitäten dafür vorzuhalten.

MOORSCHUTZ - Der Umweltminister will zudem die niedersächsischen Moore als natürliche Kohlenstoffspeicher stärker in den Klimaschutz einbeziehen. «Die Moore werden eine ganz wesentliche Rolle beim Klimaschutz und auch beim Naturschutz spielen.» Noch würden viele Moorflächen aber für den Torfabbau oder die Landwirtschaft genutzt und seien daher in schlechtem Zustand. 10,6 Millionen Tonnen CO2 entweichen Lies zufolge pro Jahr aus den Moorflächen. Das entspreche 11 Prozent der niedersächsischen Treibhausgasbilanz. Der NLWKN bemüht sich um die Wiedervernässung von Moorflächen.

TIDESTEUERUNG- An der Ems ist unterdessen eine Lösung für das Schlickproblem des Flusses in Sicht. Bei einer Testphase im vergangenen Sommer hatte der NLWKN erprobt, wie die Tore des Emssperrwerkes nach den Gezeiten gesteuert werden können, um die Wasserqualität des Flusses zu verbessern. «Wir wollten beeinflussen, dass die Flut nicht so viel mehr Sediment in den Fluss hineinträgt, wie die Ebbe wieder hinaustragen kann», erklärte Dirk Post vom NLWKN.

Der Test habe gezeigt, dass sich der Sauerstoffgehalt im Wasser verbessert habe. Weniger Schwebstoffe hätten das Wasser zudem etwas klarer gemacht. Probleme bereiteten allerdings niedrige Wasserstände im Emder Hafen. Ab 2025 soll es nun dauerhaft eine flexible Tidesteuerung auf der Ems geben. Noch laufen dafür Vorbereitungen.

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