Niedersachse: Verkürzte Ausbildung für Pflegehelfer

28.06.2021 Pflegekräfte werden händeringend gesucht. Niedersachsen startet nun eine verkürzte Ausbildung zur Pflegeassistenz unter anderem für Menschen, die bereits Erfahrung in der Pflege gesammelt haben. Nicht alle halten das für eine gute Lösung.

Eine Pflegerin reicht einer Frau ihre Tasse. Foto: Jana Bauch/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Um den Personalmangel in der Pflege zu bekämpfen, bietet Niedersachsen künftig eine verkürzte Ausbildung für Pflegehelfer an. Die Ausbildung zum Pflegeassistenten beziehungsweise zur Pflegeassistentin kann künftig für Menschen mit entsprechender Berufserfahrung oder fachverwandter Vorbildung von zwei auf ein Jahr verkürzt werden, wie das Gesundheitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit am Montag in Hannover mitteilten. Menschen, die etwa während der Corona-Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben, solle der Wechsel in die Pflege erleichtert werden, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).

Bereits erworbene Kompetenzen sollten stärker berücksichtigt und der Ausbildungsweg nicht unnötig in die Länge gezogen werden, erklärte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Aus der dualen Berufsausbildung lägen dazu gute Erfahrungen vor, die nun auf die Ausbildung zur Pflegeassistenz übertragen würden. Die Nachwuchskampagne mit der verkürzten Ausbildung steht unter dem Motto «Meine Zukunft Pflege». Die Pflegeassistenz übernimmt Hilfsarbeiten in Pflegeeinrichtungen und unter Aufsicht der Fachkräfte auch große Teile der Versorgung von Pflegebedürftigen.

Niedersachsenweit sind in Pflegeberufen mehr als 4600 Stellen unbesetzt. Besonders in der Gesundheits- und Krankenpflege fehlten mehr Kräfte als noch in den Jahren zuvor, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Für Arbeitslose, die gerne Pflegeassistenz lernen möchten und die Fördervoraussetzungen erfüllen, können die Lehrgangskosten an Berufsfachschulen, die Kosten für den Lebensunterhalt und die Fahrtkosten übernommen werden, sagte der Regionalchef der Arbeitsagentur, Johannes Pfeiffer. «Die Pflegebranche wächst kontinuierlich und wird aufgrund der alternden Gesellschaft auch längerfristig viele Arbeitsplätze bieten.»

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe sieht die Kampagne skeptisch. «Der Ansatz ist durchaus nachhaltig. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie das in einem Jahr gehen soll, ohne, dass inhaltlich etwas verloren geht», sagte Geschäftsführer Burkhardt Zieger. Das eigentliche Problem seien außerdem nicht die fehlenden Assistenzkräfte, um deren Ausbildung es bei der Kampagne geht, sondern der Mangel an Fachkräften. Als Fachpersonal gelten alle, die eine mindestens dreijährige Ausbildung in der Pflege absolviert haben.

Als ein Eingeständnis einer vollkommen verfehlten Politik der Landesregierung bezeichnete die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Meta Janssen-Kucz, die verkürzte Ausbildung. «Die Pflege von alten und kranken Menschen ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, die man nicht in einer Schmalspurausbildung erlernen kann.» Für eine gute Betreuung seien versierte Fachkräfte, angemessene Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen nötig. «Hier hat die Landesregierung bisher kläglich versagt.» Mit der Verkürzung der Ausbildung werde zudem prekären Beschäftigungsverhältnissen Tür und Tor geöffnet.

Die neue verkürzte Ausbildung kommt unter anderem für Menschen in Frage, die nach einer zweijährigen Berufsausbildung mindestens drei Jahre gearbeitet haben oder eine zweijährige Berufsfachschule im Bereich Ernährung, Hauswirtschaft und Pflege abgeschlossen haben. Auch wer mindestens einen Hauptschulabschluss hat, ein Jahr in Vollzeit als Hilfskraft oder ein Jahr in Vollzeit im Bundesfreiwilligendienst im pflegenahen Bereich gearbeitet hat, kann die verkürzte Ausbildung absolvieren. Die Voraussetzung erfüllt ist ebenso nach drei Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit im Betreuungsdienst des Katastrophenschutzes.

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