Niedersachsen setzt verstärkt auf mobile Impfteams

25.06.2021 Erst waren die Impfungen in den Zentren ein Schwerpunkt der Impfkampagne. Schon bald rücken verstärkt mobile Impfteams in den Fokus, die schwer erreichbare Menschen vor Ort aufsuchen. Ist die Zeit der langen Wartelisten zu Ende?

Eine Krankenpflegerin impft eine Frau mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Foto: Moritz Frankenberg/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Niedersachsen will angesichts der vorrückenden Delta-Variante bei den Corona-Schutzimpfungen weiter Tempo machen und neben den Impfungen in den Impfzentren verstärkt auf mobile Impfteams setzen. Es sei nicht mehr nötig, sämtliche 50 Impfzentren im Land über den vom Bund geplanten Schließungstermin Ende September hinaus im bisherigen Umfang zu betreiben, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Freitag in Hannover. Wichtiger als die Impfungen in den Zentren werde der Einsatz der dort stationierten ambulanten Impfteams. «Es wird darum gehen, in die Städte oder Einrichtungen hineinzugehen und das Impfen möglichst unkompliziert für die Menschen zu machen. Insofern wird sich die Art der Arbeit ein wenig verändern.»

Niedersachsen pocht mit anderen Bundesländern auf einen Weiterbetrieb der vom Bund finanzierten Impfzentren über Ende September hinaus. Einige Impfzentren hätten inzwischen in ihrem Bereich große Teile der Bevölkerung mit einer Impfung versorgt. Insofern müssten nicht sämtliche der Zentren in ihrer jetzigen Form weiterbetrieben werden, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Oliver Grimm. Aufsuchende Impftätigkeit sei in der nächsten Phase noch wichtiger als bislang. Der weitere Einsatz von mobilen Impfteams sei vor allem für soziale Brennpunkte geeignet. Gerade Menschen, die der Corona-Impfung noch skeptisch gegenüberstehen, müssten überzeugt werden.

«Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass sich der Charakter der Impfkampagne in den nächsten Wochen wandeln wird», sagte Grimm. Bislang habe es einen Andrang auf knappen Impfstoff gegeben, inzwischen sei die Warteliste für einen Termin im Impfzentrum aber auf rund 260 000 Menschen geschrumpft. «Die Warteliste wächst spürbar nicht mehr an.» In einer nächsten Phase werde es darum gehen, Menschen zum Impfen zu motivieren. Dies ist das Ziel einer in Vorbereitung befindlichen Impfwerbekampagne des Landes, die voraussichtlich Anfang August startet.

Wie es mit den Impfzentren nach Ende September weitergeht, wird momentan noch auf Bund-Länder-Ebene diskutiert; eine Entscheidung gibt es noch nicht, sagte Grimm. Auf jeden Fall gebe es weiter Bedarf an einer Versorgung der Bundesländer mit Impfstoff durch den Bund, um die mobilen Teams mit Impfstoff zu versorgen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts haben 54 Prozent der Niedersachsen inzwischen bereits eine Erstimpfung erhalten und 33,5 Prozent sind bereits vollständig geimpft.

Ab sofort können sich auch Menschen unter 60 Jahren über das Impfportal oder die Hotline für eine Impfung mit den Präparaten von Astrazeneca und Johnson & Johnson anmelden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Bei der Anmeldung müssten Impfwillige ausdrücklich bestätigen, dass sie auch diese beiden Impfstoffe akzeptieren. Anders als zunächst erwartet, erhält Niedersachsen in den kommenden Wochen zusätzliche Astrazeneca- sowie weitere Johnson & Johnson-Dosen. Auch kurzfristig ergäben sich damit weitere Impftermine, um die sich auch bereits auf der Warteliste stehende Menschen bemühen könnten, erklärte das Ministerium.

Unterdessen ist die Zahl der mit der Delta-Variante Infizierten in Niedersachsen weiter gestiegen. Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes wurden seit Ende vergangener Woche 60 neue Fälle bekannt, womit es jetzt insgesamt 125 sind. Auf die Varianten werden Betroffene aber nur stichprobenartig oder bei Verdacht getestet. Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums ist die Verbreitung im Vergleich mit anderen EU-Ländern noch gering, es gebe in Niedersachsen bislang keine Hotspots. Insgesamt wurden in Niedersachsen am Freitag 43 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert, die Sieben-Tage-Inzidenz lag im Landesschnitt bei 3,7.

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