Zwei Tote vor Amtsgericht: Streit um die Miete Auslöser?

04.06.2021 Schüsse vor einem Gerichtsgebäude, zwei Menschen sterben. Der Schütze - ein älterer Mann - tötet eine Frau und dann sich selbst, kurz vor einem Gerichtstermin in einem Mietstreit. Laut dem Amtsgerichtsdirektor war es ein Fall wie viele andere.

Polizisten und Journalisten stehen vor dem Amtsgericht Celle. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein Mietstreit hat vermutlich zu den tödlichen Schüssen vor dem Amtsgericht Celle geführt. Ein Mann tötete dort am Donnerstag eine 49 Jahre alte Frau, dann erschoss der 78-Jährige sich selbst.

Die Frau habe den 78-Jährigen wegen vermeintlicher Mietrückstände verklagt, er habe seine Wohnung räumen sollen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Celle, Stefanie Vogler, am Freitag. Der Mann habe ein Haus in Winsen (Aller) im Landkreis Celle von der 49-Jährigen gemietet, sagte der Direktor des Amtsgerichts Celle, Dieter-Philipp Klass. Die tödlichen Schüsse wurden kurz vor einem Gütetermin abgefeuert, noch vor Betreten des Gerichts.

Die 49-Jährige und ihr Gegner seien sich am Donnerstagmorgen noch vor dem Einlass am Besuchereingang des Gerichts begegnet, sagte Vogler. Dann sei der 78-Jährige zu seinem Auto zurückgegangen und habe eine Aktentasche geholt. Laut der - allerdings etwas unscharfen - Videoaufzeichnung habe er aus der Aktentasche heraus auf die Frau geschossen. Die 49-Jährige sank zu Boden, dann nahm er die Waffe aus der Aktentasche heraus und schoss der Frau in den Kopf, wie Vogler beschrieb.

Danach nahm der Mann den Angaben zufolge seine Maske ab, setzte sich vor das Wachtmeisterhäuschen und schoss sich selbst in den Kopf. Der Anwalt der Frau, der in der Nähe stand, flüchtete nach dem ersten Schuss in den Innenhof - er blieb unverletzt. Die Polizei wurde alarmiert, die Beamten sperrten die Mühlenstraße, an der das Amtsgericht liegt, nach der Alarmierung weiträumig ab. Es handele sich um eine der Hauptdurchgangsstraßen in Celle, sagte eine Polizeisprecherin. Die 70 000-Einwohner-Stadt Celle liegt etwa 40 Kilometer nordöstlich von Hannover.

Die Staatsanwältin erklärte, der 78-Jährige habe eine Waffenbesitzkarte und die Waffe daher zu Recht besessen - die Modelle stimmten demnach überein. Ein Ermittlungsverfahren sei nicht eingeleitet worden, weil gegen den Täter, den 78-jährigen Mann, nicht ermittelt werden könne. Zwar sei die Frau durch Fremdverschulden gestorben, aber gegen Tote werde nicht ermittelt. Es handele sich daher um ein Todesursachenverfahren.

Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza sagte: «Ich bin erschüttert und tieftraurig über diese schreckliche Tat in Celle.» Ihre Trauer und Anteilnahme gelte vor allem den Hinterbliebenen, sagte die CDU-Politikerin. «In Gedanken bin ich auch bei den Wachtmeisterinnen und Wachtmeistern sowie den übrigen Beschäftigten des Amtsgerichts Celle. Sie mussten diese Tat zum Teil aus nächster Nähe miterleben.»

Amtsgerichtsdirektor Klass betonte, der Zivilrechtsstreit zwischen der 49-Jährigen und dem 78-Jährigen sei ein Fall, wie er hundertfach an Gerichten verhandelt werde. Aus der Akte ergebe sich «überhaupt kein Anhaltspunkt für ein erhöhtes emotionales Potenzial».

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