Niedersachsen will Lage mit zügigem Impfen im Griff halten

03.06.2021 Die Corona-Pandemie ist trotz niedriger Inzidenz noch nicht besiegt, warnt die Gesundheitsministerin. Lockerungen und Reisen sowie Virusvarianten stehen dem unter anderem im Weg. Bis zum Herbst sollen möglichst viele Menschen geimpft werden.

Daniela Behrens (SPD), Gesundheitsministerin von Niedersachsen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Impfkampagne gegen das Coronavirus soll in Niedersachsen über den Sommer mit Hochdruck vorangetrieben werden, damit im Herbst bei einer möglichen Verschlechterung der Lage möglichst viele Menschen geimpft sind. Wie Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) am Donnerstag im Gesundheitsausschuss des Landtags sagte, sei ein weitgehendes Abflauen der Pandemie über den Sommer auch angesichts von Lockerungen und Reisen nicht zu erwarten.

ERWARTUNG FÜR DEN SOMMER: Auch wegen der weiteren Verbreitung ansteckenderer Virusvarianten - dazu zählt auch die zuerst in Indien entdeckte Delta-Variante - wird die Sieben-Tage-Inzidenz sich im landesweiten Schnitt wohl bei 30 bis 35 einpendeln, wie Behrens sagte. Sie glaube nicht, dass die Inzidenz im Sommer weit unter 10 sinke. Die Lage bleibe weiter ernst und die Pandemie sei noch nicht überwunden. Am Donnerstag lag die Inzidenz landesweit bei 24,4.

IMPFQUOTE STEIGT: 43,9 Prozent der Niedersachsen haben inzwischen die Erstimpfung erhalten, 17,8 Prozent die Zweitimpfung. Die Ministerin erwartet, dass bis Ende Juli/Anfang August etwa 65 Prozent der Menschen zumindest eine erste Impfung erhalten haben. Für eine Immunisierung der Bevölkerung angestrebt würde ein Impfquote von etwa 85 Prozent.

WEGFALL DER PRIORISIERUNG: Ab kommenden Montag (7. Juni) können sich alle Menschen impfen lassen und sich in Arztpraxen für einen Termin melden. Ob gleich auch am Montag für die Impfzentren die Priorisierung aufgehoben wird, prüft die Landesregierung noch. Für den Fall wird das Impfportal auf einen großen Andrang Impfwilliger vorbereitet, die sich für einen Termin registrieren lassen wollen.

WARTELISTE: Im Moment befinden sich in Niedersachsen 609 000 Menschen auf der Warteliste für eine Impfung in einem der 52 Impfzentren. Dazu kommt eine Vielzahl von Menschen, die sich in einer Arztpraxis für eine Impfung hat vormerken lassen. Bis alle priorisiert impfberechtigen Menschen geimpft sind, wird es laut Behrens wohl bis zum Juli dauern.

IMPFSTOFFLIEFERUNGEN: Niedersachsen erhält im Moment 230 000 Dosen für die Impfzentren und 350 000 Dosen für die Arztpraxen pro Woche. Im dritten Quartal sollen 55 Millionen Biontech/Pfizer-Dosen nach Deutschland geliefert werden. Wie viel nach Niedersachsen geht, hat der Bund noch nicht mitgeteilt.

BETRIEBSÄRZTE: Ab Montag steigen auch die Betriebsärzte landesweit in die Impfkampagne ein, nachdem zunächst einzelne Unternehmen das Impfen im Betrieb getestet hatten. 70 000 Dosen gehen zunächst für den Einsatz der Betriebsärzte nach Niedersachsen.

WERBEN FÜR DAS IMPFEN: Ab Ende Juli/Anfang August will das Land verstärkt für die Impfung gegen das Coronavirus werben. Eine entsprechende Kampagne war schon mehrfach angekündigt worden, angesichts der großen Nachfrage und des begrenzten Impfstoffes zunächst aber noch nicht gestartet worden.

DIGITALER IMPFNACHWEIS: Nach einem erfolgreichen Test im Impfzentrum Hannover sollen in den kommenden Wochen alle Impfzentren einen digitalen Impfnachweis zur Verfügung stellen. Ein QR-Code lässt sich in eine App laden, außerdem gibt es den Nachweis auch aufgedruckt auf Papier.

WEITERE LOCKERUNGEN: Die kommende Corona-Verordnung des Landes für die Zeit nach dem 24. Juni soll erstmals auch Regelungen enthalten für die Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter zehn. Wie die Vizechefin des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, Claudia Schröder, sagte, werde es aber noch drei bis vier Wochen dauern, bis die Auswirkungen aller Lockerungen auf die Corona-Lage verlässlich ablesbar seien.

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