Wachsender Ökomarkt bietet Chancen für Landwirte

02.06.2021 Niedersachsen ist stark bei der konventionellen Landwirtschaft, hinkt aber im Ökobereich hinterher. Der Anteil soll wachsen - kann die starke Nachfrage nach Bioprodukten wie ein Turbolader wirken?

Ein Landwirt fährt mit seinem Trecker über ein Hanffeld. Foto: Philipp Schulze/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Angesichts einer stark gestiegenen Nachfrage nach Bioprodukten sieht das Land auch den Ökolandbau in Niedersachsen auf Wachstumskurs. Coronabedingt sei im vergangenen Jahr die Nachfrage der Verbraucher um 25 Prozent gestiegen, sagte Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau, am Mittwoch in Hannover: «Ökolandbau wächst immer dann, wenn Bioware nachgefragt wird.»

Bis 2030 will Niedersachsen den Anteil der Biolandwirtschaft auf 15 Prozent bringen, als Zwischenschritt bis 2025 auf 10 Prozent. Derzeit liege der Anteil bei 5,3 Prozent, sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Bundesweit sind es 12,9 Prozent. Wenn Landwirte eine bessere wirtschaftliche Perspektive im Ökolandbau erkennen könnten, würden sie auch umstellen, sagte sie: «Es geht immer um die Wirtschaftlichkeit auf den Betrieben».

Notwendig sei allerdings, dass der Bund die rechtlichen Voraussetzungen im Baurecht ändere, damit die Landwirte auch umstellen könnten. Dazu wolle Niedersachsen demnächst eine Bundesratsinitiative auf den Weg geben. Das Land wolle auch die Umstellung der Betriebe von einer konventionellen auf eine Öko-Bewirtschaftung mit Fördermitteln unterstützen, betonte die Ministerin.

Vor allem die wirtschaftlich schwierige Situation der konventionellen Bauern lasse viele Landwirte an eine Umstellung auf Ökowirtschaft denken, sagte Grieshop. So sei die Nachfrage nach Geflügelfleisch exorbitant gestiegen.

Auch die Nachfrage von schweinehaltenden Betrieben nach einer Umstellungsberatung sei zuletzt sehr groß gewesen. Aber nicht jeder Betrieb könne umstellen: Notwendige Umbauten in den Ställen für eine artgerechtere Haltung nach Biorichtlinien scheiterten daran, dass es keine Baugenehmigungen gebe. Dieses Problem müsse die Politik lösen, forderte Grieshop.

Es gebe auch regionale Unterschiede: «Wo die Flächenpreise sehr hoch sind, ist die Umstellung schwierig.» So sei vor allem die Weser-Ems-Region mit ihrer großflächigen Intensivtierhaltung Schlusslicht bei der Ökohaltung. Spitzenreiter seien die Regionen im Nordosten Niedersachsens, erklärte Grieshop.

So gab Landwirt Johannes Blanke aus dem Heidekreis seine konventionelle Milchviehhaltung zugunsten des Ackerbaus auf. Milch zu Weltmarktpreisen verkaufen zu müssen, aber nicht zu Weltmarktkosten produzieren zu können, funktioniere nicht. Unter anderem setze er nun auf den Anbau von Bio-Soja. Wichtig bei der Umstellung sei eine gute Beratung.

Die Landwirtsfamilie Stephan und Kerstin Klünemann aus dem Emsland verzichtete auf die unattraktiv gewordene Sauenhaltung und startete 2015 zunächst mit konventionell betriebenen Putenställen. 2019 wurde mit dem Anbau von Bio-Chicorée begonnen, danach wurden der Ackerbau und zuletzt die Putenhaltung auf Bio umgestellt. Der Betrieb habe nun eine Nische gefunden, in dem sie sich wohl fühlten, sagte Kerstin Klünemann. «Wir wollten raus aus dem Hamsterrad, immer mehr Masse produzieren zu müssen.»

Wann und warum Landwirte ihre Produktion auf Bio umstellen, untersuchen derzeit zwei Studentinnen der Universität Göttingen. Dazu suchen die Autorinnen Marlene Wätzold und Catharina Lindwedel noch ökologisch sowie konventionell wirtschaftende Landwirte, die an einer Befragung für die Studie teilnehmen wollen.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News