Privatinsolvenzen: Länder über Bundesschnitt

01.06.2021 Deutlich mehr Verbraucher als vor einem Jahr melden Insolvenz an. Experten führen den Sprung vor allem auf eine Gesetzesänderung zurück - befürchten aber auch einen weiteren Negativtrend.

Ein Stift liegt auf einem Antrag zur Eröfnung eines Insolvenzverfahrens. Foto: Alexander Heinl/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Zahl der Privatpleiten in Niedersachsen und Bremen ist zu Jahresbeginn wie in fast allen Bundesländern zu Beginn des Jahres sprunghaft gestiegen. In den ersten drei Monaten gab es in Niedersachsen 4146 Privatinsolvenzen im Vergleich zu 2914 im Vorjahreszeitraum (plus 42,3 Prozent), wie aus Daten der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel für das erste Quartal 2021 hervorgeht. In Bremen stieg diese Zahl von 298 auf 520 (plus 74,5 Prozent).

Bundesweit gab es im ersten Quartal des laufenden Jahres 31 821 Privatinsolvenzen. Das waren 56,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach zehn Jahren sinkender Zahlen erwartet Crifbürgel im Gesamtjahr 2021 in etwa eine Verdoppelung der Privatpleiten auf bis zu 110 000 Fälle. Im vergangenen Jahr gab es demnach 56 324 private Insolvenzen in Deutschland.

Den Anstieg zu Jahresbeginn führte Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein vor allem darauf zurück, dass viele Betroffene eine Gesetzesreform abgewartet hätten. Verbraucher können inzwischen einfacher nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von ihren Restschulden befreit werden. Die Verkürzung gilt rückwirkend auch für Insolvenzverfahren, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. «Da diese Reform ein großer Vorteil ist, haben viele Antragssteller auf den entsprechenden Beschluss des Bundestages gewartet», erläuterte Schlein.

Im Bundesschnitt gab es den Angaben zufolge 38 Privatpleiten je 100 000 Einwohner. Angeführt wurde diese Statistik von Bremen mit 76 Privatinsolvenzen je 100 000 Einwohnern, und auch Niedersachsen rangiert über dem Schnitt (52). Nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei wird die unmittelbar von der Corona-Pandemie verursachte Insolvenzwelle wohl ab dem zweiten Halbjahr 2021 einsetzen und bis in das Jahr 2022 hineinreichen. Die wirtschaftlichen Folgen seien nicht nur für Beschäftigte im Niedriglohnbereich existenzbedrohend, sondern auch im mittleren Einkommensbereich zum Beispiel durch Kurzarbeit deutlich spürbar.

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