Schnelle Impfaktion für alle Schüler fraglich

28.05.2021 Weil es keinen zusätzlichen Impfstoff vom Bund gibt, wird aus einer schnellen Impfung aller Schüler in Niedersachsen womöglich nichts. Die Warteliste, in die die Jugendliche sich möglicherweise einreihen müssen, ist bereits lang. Die Opposition ist verärgert.

Eine Arzthelferin impft eine Patentin mit einer Spritze. Foto: Ole Spata/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mangels zusätzlicher Impfstofflieferungen des Bundes wird die Impfung aller Schüler in Niedersachsen gegen das Coronavirus möglicherweise nicht zentral und zeitnah organisiert werden können. Unter Umständen müssten impfwillige Kinder und Jugendliche sich auf die Warteliste für eine Impfung setzen lassen, sagte der Leiter des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, Heiger Scholz, am Freitag im Gesundheitsausschuss des Landtags.

Das Gesundheits- und das Kultusministerium berieten zur weiteren Frage der Impfung von Schülern mit der Landesregierung. Abgewartet wurde außerdem die für Freitag erwartete Zulassung der EU-Arzneimittelbehörde EMA für eine Nutzung des Biontech/Pfizer-Impfstoffes für Kinder ab zwölf Jahren.

Niedersachsen hatte am Dienstag ein Konzept zum möglichen flächendeckenden Impfen aller Schüler ab zwölf Jahren gegen Covid-19 vorgelegt. Mit Aktionen in Schulen, kommunalen Gebäuden oder in den Impfzentren hätten demnach alle rund 450.000 Schüler ein Angebot zur Immunisierung erhalten. Die Impfaktion hatte noch vor den Sommerferien im Juli beginnen sollen.

Mit der Klarstellung des Bundes beim Impfgipfel am Donnerstag, dass es keinen zusätzlichen Impfstoff für das Impfen von Schülern geben wird, ist die Aktion nun aber mehr als unsicher. «Wir haben die Jugendlichen weiter im Fokus und wollen gerne ein Impfangebot machen», sagte ein Kultusministeriumssprecher.

Auf der Warteliste für eine Corona-Schutzimpfung befanden sich am Freitag in Niedersachsen ohnehin bereits 633.000 Menschen. Mit der Aufhebung der Priorisierung am 7. Juni werden sich zahlreiche weitere Menschen um eine Impfung bemühen. Wie Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) abends nach dem Impfgipfel sagte, habe die Landesregierung nun zu beraten, wie junge Leute an Impfungen kommen können, wenn sie dazu berechtigt sein werden.

Kritik kam am Freitag aus der Opposition. Obwohl die Rahmenbedingungen noch vollkommen unklar gewesen seien, habe die Regierung eine Impfaktion für Schüler in Aussicht gestellt, sagte FDP-Fraktionschef Stefan Birkner. «Verantwortungsvoll wäre es gewesen, nur das zu versprechen, was auch sicher eingehalten werden kann. Die Krise kann nur mit Ruhe und Beständigkeit durchgestanden werden und nicht mit hektischen Wahlkampfaktionen.»

«Die Ergebnisse des Impfgipfels sind enttäuschend», sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Julia Willie Hamburg. «Lautes Getöse und damit große Erwartungen hat der Ministerpräsident geweckt, am Ende kehrt er jetzt mit leeren Händen zurück.» Denn vom 7. Juni an würden zunächst nur wenige Kinder geimpft, stattdessen müssten diese sich auf der immer länger werdenden Warteliste hinten anstellen, weil Impfstoff fehlt.

Angesichts der ab Montag greifenden neuen Corona-Verordnung des Landes warnte Hamburg vor vorschnellen Lockerungen. «Gerade mit dem Aussetzen der Testpflicht unterhalb der Inzidenzen von 50 und 35 gibt sie ein weiteres wichtiges Monitoring-Instrument aus der Hand.»

Außerdem bleibe unverständlich, warum die Landesregierung die Verbreitung der Coronaviren nicht näher untersucht um sich dagegen zu wappnen, dass neue Corona-Varianten die Erfolge in der Pandemiebekämpfung wieder zunichtemachen. Staatssekretär Scholz warnte im Gesundheitsausschuss davor, dass die in Indien entdeckte Virusvariante die Neuinfektionszahlen wieder ansteigen lassen könnte.

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