Debakel statt Wunder: Braunschweig steigt wieder ab

23.05.2021 Nach nur einem Jahr steigt Eintracht Braunschweig wieder aus der 2. Bundesliga ab. Der Tabellenvorletzte verlor sein letztes Spiel mit 0:4 beim Hamburger SV und bestätigte damit den desaströsen Eindruck der letzten Saisonwochen.

Braunschweigs Yari Otto schreit seine Enttäuschung zur Halbzeit heraus. Foto: Michael Schwartz/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eintracht Braunschweig hat sich sang- und klanglos wieder aus der 2. Fußball-Bundesliga verabschiedet. Eine 0:4 (0:3)-Niederlage beim Hamburger SV bescherte den Niedersachsen den zweiten Zweitliga-Abstieg in den vergangenen drei Jahren und den sechsten insgesamt. Alle realistischen Hoffnungen auf den Klassenerhalt hatte der Tabellenvorletzte bereits vor einer Woche durch seine Heimniederlage gegen Mitabsteiger Würzburg verspielt. Doch statt eines letzten Aufbäumens gab es am Sonntag in Hamburg nur den nächsten Beweis mangelnder Konkurrenzfähigkeit in dieser Liga.

«Wir müssen ehrlich zu uns sein: Es war nicht gut genug - nicht nur heute sondern über das ganze Jahr hinweg», sagte Trainer Daniel Meyer nach dem Spiel. «Jetzt stehen wir nach zehn Monaten Abstiegskampf mit leeren Händen da und sind brutal enttäuscht. In der Kabine fließen Tränen. Es tut uns leid für alle, die es mit der Eintracht halten.»

Nach dem Abstieg 2018 wäre die Eintracht beinahe in die Regionalliga durchgereicht worden. Doch rein faktisch ist die Ausgangsposition in diesem Jahr noch viel schlechter. Die Finanzreserven aus der Ära Lieberknecht von 2008 bis 2018 sind aufgebraucht. Die Braunschweiger melden sich nun ohne Geld und ein tragfähiges Kadergerüst in der 3. Liga zurück, da die Verträge von mindestens 18 Spielern auslaufen.

Auch eine Trennung von Trainer Daniel Meyer gilt trotz eines bis 2022 laufenden Vertrages als sicher, nachdem der Aufsichtsrat schon während dieser Saison dreimal über seine Ablösung diskutierte.

Dem 41-Jährigen wird angekreidet, dass seine Mannschaft vor allem in der entscheidenden Phase der Saison wie gehemmt und blockiert auftrat. Nach dem 4:0-Sieg beim direkten Konkurrenten VfL Osnabrück am 28. Spieltag hatte die Eintracht auf einmal eine gute Ausgangsposition im Kampf gegen den Abstieg. Doch die verspielte der Aufsteiger vor allem in den beiden Heimspielen gegen den FC Erzgebirge Aue (0:2) und gegen die Würzburger Kickers (1:2).

Vor dem HSV-Spiel machten zudem Medienberichte die Runde, dass mehrere Spieler nach der Niederlage gegen Würzburg im Quarantäne-Hotel über die Stränge geschlagen hätten. Der Verein wies Darstellungen von einem «Saufgelage» entschieden zurück, strich die Spieler Martin Kobylanski, Nick Proschwitz, Benjamin Kessel und Lasse Schlüter offiziell aus Leistungsgründen aber aus dem Kader.

Und so hinterließ der Verein in der entscheidenden Phase der Saison auf allen Ebenen einen desaströsen Eindruck. Die Mannschaft taumelte dem Abstieg entgegen, zahlreiche Fans beleidigten die Spieler vor dem Teamhotel und in den sozialen Medien, der Präsident leistete sich einige amateurhafte Äußerungen über den letzten Gegner («Ich würde den HSV gerne in der nächsten Saison in der 2. Liga sehen - mit uns») und der Aufsichtsrat schwächte die Position des Trainers. Der Neuaufbau in der 3. Liga wird unter diesen Umständen nicht leicht.

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