BUND: Windkraftausbau nicht auf Kosten des Artenschutzes

22.04.2021 Die Umweltschutzorganisation BUND zeigt sich verstört von den jüngsten Äußerungen von Niedersachsens Energie- und Umweltminister Olaf Lies zum Verhältnis von Windkraftausbau und Artenschutz. Der SPD-Politiker hatte kürzlich gewarnt, dass «einzelne, kleinteilige Schutzinteressen Klimaschutzgroßvorhaben» wie den Windanlagen-Zubau ausbremsen könnten und dies auch auf Bedenken mancher Natur- und Artenschützer bezogen.

Axel Ebeler rückt seine Brille zurecht. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Richtig ist, dass Deutschland und auch Niedersachsen einen konsequenten Ausbau der Erneuerbaren brauchen, um die ehrgeizigen Klimaschutzziele zu erreichen», sagte der Vizechef des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im wichtigsten Windkraft-Land Niedersachsen, Axel Ebeler. «Dies darf und muss jedoch nicht auf Kosten des Artenschutzes gehen.» Schnelle, weniger komplexe Verfahrensabläufe seien wichtig - aber genauso müsse «weiterhin die Verfügbarkeit qualifizierter Daten zum Arten- und Biotopschutz erheblich verbessert werden».

Lies hatte sich mit Blick auf eine raschere Erweiterung der Ökostrom-Produktion in Deutschland auch für eine Neujustierung beim Artenschutz ausgesprochen. «Wer die Windkraft ausbauen will, muss in Kauf nehmen, dass auch bestimmte Arten den Anlagen zum Opfer fallen könnten. Das wollen viele nicht hören, das ist eben auch ein Teil der Wahrheit», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ebeler meinte nun, diese Aussagen seien «nicht nachvollziehbar und kontraproduktiv».

Laut Lies geht es darum, die kurz- bis mittelfristigen Vorteile zusätzlicher Ökostrom-Kapazitäten mit den langfristigen Folgen eines wärmeren Klimas auch für viele Tier- und Pflanzenarten angemessen abzugleichen: «Wenn wir uns jetzt nicht wesentlich stärker um den notwendigen Klimaschutz kümmern, haben wir schon in wenigen Jahren wesentlich dramatischere Konsequenzen beim Artenschutz.»

Der Bau von Windkraftanlagen ist vor Ort oft sehr umstritten. Viele Klagen gibt es aus Artenschutzgründen. Für Aufregung sorgten auch Pläne, Anlagen in Waldgebieten zu errichten - Windbranche und Politik in Niedersachsen betonten jüngst aber, dass dies nur in Nutzforsten realistisch sei, unter Ausschluss von Mischwald und Schutzgebieten.

Es seien pragmatische Lösungen notwendig, sagte Lies. Er unterstütze Forderungen von Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth, der notfalls eine Bundesregelung will, weil die Länder sich nicht auf einheitliche Schritte einigen können. Die Koalition in Berlin müsse sich bis Ende April auf die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verständigen. Eigentlich wollte die Bundesregierung schon bis Ende März ein Konzept vorlegen, wie es weitergeht mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien - die Verhandlungen gerieten aber ins Stocken.

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