Zahl der Hotspots steigt: Sorge um Intensivbetten

16.04.2021 Die Corona-Lage in Niedersachsen bleibt angespannt, immer mehr Landkreise werden zu Hotspots. Die Belegung der Kliniken und Intensivstationen ist leicht rückläufig, aber auf hohem Niveau.

Proben für einen PCR-Test werden von einem Laboranten verpackt. Foto: Sina Schuldt/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Niedersachsen wird immer großflächiger zu einem Corona-Hotspot mit mehr als 100 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. In 31 der 45 Landkreise und großen Städte lag die Sieben-Tages-Inzidenz am Freitag über 100, was striktere Corona-Beschränkungen bedeutet, teilte das Gesundheitsministerium mit. Weiterhin liegt der Wert in der Stadt Salzgitter und dem Kreis Vechta über 300. Landesweit sank die Sieben-Tages-Inzidenz geringfügig auf 125,6 nach 126 am Vortag. 1917 neue Infektionsfälle und 9 weitere Todesfälle wurden am Freitag registriert.

Die Zahl der Corona-Patienten in Kliniken und auf Intensivstationen war wie schon am Vortag leicht rückläufig. 1072 Erkrankte wurden im Krankenhaus behandelt, 292 davon auf der Intensivstation. 208 Erwachsene und ein Kind müssen künstlich beatmet werden. Der R-Wert, der angibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt, betrug 1,15 nach 1,05 am Vortag.

Von den derzeit verfügbaren 2163 Intensivbetten in Niedersachsen waren am Freitag nach Angaben des Gesundheitsministeriums 349 noch frei. Als Notfallreserve können im Land 1045 weitere Intensivbetten binnen sieben Tagen einsatzbereit sein. Etwa die Hälfte der Intensivbetten sind im Moment mit Menschen belegt, die Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Unfälle erlitten haben. 20 Prozent sind mit Patienten belegt, bei denen eine zeitlich aufschiebbare, sogenannte elektive Operation vorgenommen wird. 15 Prozent der Betten sind mit Covid-Patienten belegt.

Mit Blick auf fast volle Intensivstationen warnte die Pflegekammer vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. «Die Mitarbeitenden auf den Covid-Intensivstationen arbeiten seit einem Jahr am Limit», sagte Felix Berkemeyer, Abteilungsleiter einer Intensivpflegestation und Mitglied im Vorstand der Pflegekammer. Dass nun immer mehr junge Corona-Patienten beatmet werden müssen, sei für viele Kolleginnen und Kollegen besonders erschütternd.

Neben mehr Impfungen und einer langfristigen Schnellteststrategie braucht es aus Sicht der Pflegekammer weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Das Personal auf den Intensivstationen müsse dringend entlastet werden, etwa durch das Verschieben von nicht sofort nötigen Eingriffen. Die Kammer empfiehlt, zusätzliche Pflegefachkräfte, etwa aus der Anästhesie, zur Verstärkung auf überlasteten Intensivstationen einzusetzen, wenn dadurch die Notfallversorgung nicht gefährdet wird. Zudem müsse sichergestellt werden, dass Kliniken keine finanziellen Einbußen erleiden, wenn sie Betten für Corona-Patienten freihalten.

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