Schulleitungsverband kritisiert Chaos bei Testpflicht-Start

12.04.2021 Zwei verpflichtende Corona-Tests pro Woche für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sollen den Unterricht sicherer machen. Das Personal an den Schulen fühlt sich dennoch nicht ausreichend geschützt.

Rene Mounajed, Geschäftsführer des Schulleitungsverbandes. Foto: Florian Schuh/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Start der verpflichtenden Corona-Selbsttests für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte ist aus Sicht des Schulleitungsverbandes Niedersachsen chaotisch verlaufen. Einige Schulen hätten viel zu wenige Testkits erhalten, manche die falschen, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Rene Mounajed, am Montag. «Das ist völlig unprofessionell.» Viele Schulleitungen seien wütend. Die Kommunikation des Kultusministeriums sei zudem viel zu kurzfristig und unklar, kritisierte Mounajed.

Der erste Tag nach den Osterferien wurde demnach unterschiedlich organisiert. An manchen Schulen wurden nur Testkits ausgegeben, Unterricht und Notbetreuung gab es nicht. Andere Schulen boten lediglich Notbetreuung an, wiederum andere starteten mit dem Unterricht, ohne die Kinder zu testen. «Hier macht jeder, was er für richtig hält», so Mounajed. Die Tests seien zwar sinnvoll, aber für den Gesundheitsschutz des Personals reiche das nicht aus. «Unsere Leute sind gefährdet. Sie müssen geimpft werden, und zwar jetzt.»

Das niedersächsische Kultusministerium trat dem Eindruck einer «chaotischen Organisation» entgegen. Dies habe sich durch vorliegende Rückmeldungen über die Regionalen Landesämter für Schule und Bildung nicht bestätigt, sagte ein Sprecher. Viel eher sei die Ausgabe der Testkits an fast allen Schulen auch dank eines hervorragenden Managements vor Ort gut organisiert gewesen. Die Abholtage wurden von den Schülern gut angenommen. Bestellung, Lieferung und Versendung so großer Mengen für alle Beteiligten an den gut 3000 Schulen in Niedersachsen seien aber eine große Herausforderung.

Von diesem Montag an müssen sich Kinder, Jugendliche und Schulpersonal zweimal pro Woche vor Unterrichtsbeginn zu Hause auf das Coronavirus testen. Die Schulen verteilen dafür sogenannte Laientests für den vorderen Nasenbereich, die das Ergebnis nach rund 15 Minuten anzeigen. «Zwei Tests in einer Woche sind geeignet, um effektiv Verdachtsfälle herauszufiltern», sagte der Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums, Sebastian Schumacher, mit Verweis auf eine wissenschaftliche Empfehlung. Wer ein positives Test-Ergebnis hat, muss die Schule informieren und einen noch zuverlässigeren PCR-Test machen lassen. Dieser klärt, ob der oder die Betroffene tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert ist.

Die Testpflicht gilt nur für den Präsenzunterricht. Schülerinnen und Schüler, die zuhause lernen, müssen sich nicht testen. In Landkreisen oder kreisfreien Städten mit einer Inzidenz von mehr als 100 sind in der Regel nur Grundschulen und Abschlussklassen in der Schule, die anderen lernen per Distanzunterricht zuhause. Die Inzidenz zeigt, wie viele Menschen pro 100 000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Da die Präsenzpflicht derzeit aufgehoben ist, können Eltern und Erziehungsberechtigte ihre Kinder zudem ohne Angabe von Gründen vom Präsenzunterricht abmelden. Diese Schüler erhalten Arbeitsmaterial für zuhause.

Bis Anfang April hatte das Land Niedersachsen rund 13 Millionen Testkits bei verschiedenen Anbietern für Landesbedienstete und Schulen gekauft. Die Preise lagen dabei zwischen 3,42 Euro und 5,35 Euro pro Selbsttest inklusive Mehrwertsteuer, wie der Sprecher des für die Beschaffung zuständigen Innenministeriums, Pascal Kübler, mitteilte. Weitere Beschaffungen von Selbsttests seien geplant.

An den Corona-Regeln für den Schulalltag ändert sich durch die Testpflicht nichts. Abstands- und Hygieneregeln, Lüftkonzepte und die Pflicht zum Tragen einer Maske außerhalb und zum Teil im Unterricht bleiben bestehen. Die Klassen werden derzeit in kleinen Gruppen abwechselnd zuhause und in der Schule unterrichtet. Das Personal ist dem Schulleitungsverband zufolge durch die vielen kurzfristigen Erlasse und die zahlreichen Anforderungen stark belastet. «Das können wir langsam so nicht mehr stemmen», sagte Mounajed.

Im Bundesland Bremen gilt seit Montag ebenfalls eine Testpflicht für Schülerinnen, Schüler und Schulpersonal. Dort testen sich die Jungen und Mädchen allerdings in der Schule. Ein positiver Schnelltest muss wie in Niedersachsen durch einen PCR-Test abgeklärt werden. Auch im kleinsten Bundesland können Eltern ihre Kinder vom Präsenzunterricht abmelden. Die Kinder der Grundschulen kommen in voller Klassenstärke zusammen, in den weiterführenden Schulen gilt wie in Niedersachsen das Wechselmodell.

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