Sexualisierte Gewalt im Breitensport: Studie startet

22.03.2021 Haben Sportlerinnen und Sportler in ihren Vereinen schon einmal Erfahrungen mit sexualisierten Grenzverletzungen, Belästigung und Gewalt gemacht? Zu diesem Thema hat am Montag auch in Niedersachsen die bislang größte deutsche Breitensport-Studie mit dem Namen «SicherImSport» begonnen. Zwei Universitäten in Wuppertal und Ulm haben dafür einen umfangreichen Fragebogen ausgearbeitet, den der Landessportbund und die Sportjugend Niedersachsen nun unter die mehr als 9300 niedersächsischen Sportvereine bringt. Ausfüllen kann den jeder, der aktives Mitglied eines Vereines ist oder war und älter als 16 Jahre ist.

Der Vorsitzende des Landessportbundes, Reinhard Rawe. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Der Fokus wird nicht nur auf das Heute gerichtet, sondern auch auf mögliche Erfahrungen, die schon vor Jahrzehnten gemacht wurden», sagte der LSB-Vorstandsvorsitzende Reinhard Rawe am Montag bei einer digitalen Pressekonferenz. Denn die insgesamt zehn an der Studie beteiligten Landessportbünde in Deutschland haben alle das gleiche Problem: Es gab zwar 2016 schon einmal eine Studie zu sexualisierter Gewalt im Leistungssport, die die «erschreckende Zahl» (Rawe) zutage förderte, «dass gut ein Drittel der befragten Kaderathleten schon einmal Grenzverletzungen erlebt hatte». Für den Breitensport gibt es vergleichbare Daten aber bislang noch nicht.

Die Studie hat deshalb vor allem zwei Ziele: Sie will «umfassende Daten zu Häufigkeit und Formen von sexualisierten Grenzverletzungen, Belästigung und Gewalt im organisierten Sport» liefern. Und «sie ist ein wichtiger Baustein zur Weiterentwicklung unseres landesweiten Beratungs- und Unterstützungssystem», sagte Reiner Sonntag, der Vorsitzende der Sportjugend Niedersachsen. «Wo müssen wir in den Beratungen von Vereinsvorständen noch sensibler werden? Wie können wir Betroffene noch besser ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen? Und wie können wir notwendige Hilfsstrukturen verbessern?»

Der Fragebogen ist noch bis Ende August auch auf den Internetseiten des LSB und der Sportjugend abrufbar. Erste Ergebnisse dieser Studie sollen am Ende des Jahres veröffentlicht werden.

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