Streit um Corona-Tests an Schulen und Kitas

17.03.2021 Regelmäßige Selbsttests sollen die Ansteckungsgefahr im Schulbetrieb deutlich reduzieren. Doch die Umsetzung sorgt für Kritik. Und auch die Teststrategie für die Kitas stößt auf Unverständnis.

Eine Schülerin hält während eines selbst durchgeführten Coronatests ihr Teströhrchen in den Händen. Foto: Matthias Balk/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

An Niedersachsens Schulen beginnen in den nächsten Tagen die ersten flächendeckenden Corona-Selbsttests. Rund 400 000 Testkits seien bisher an weiterführende Schulen in Südniedersachsen, in der Region Hannover und im Raum Braunschweig verteilt worden, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Mittwoch im Landtag. Alle weiteren Regionen würden «in den nächsten Wochen» ebenfalls beliefert, versicherte der SPD-Politiker. Die Gewerkschaften befürchten jedoch eine Überlastung des Personals.

Geplant ist eine Übungswoche vor den Osterferien, damit sich Lehrer und Schüler mit den Abläufen vertraut machen können. Schulen, die die Tests bereits erhalten haben, können aber auch schon in dieser Woche starten. Nach Ostern sollen sich dann sowohl das Personal als auch die Schüler anlasslos einmal pro Woche vor Unterrichtsbeginn testen können. Anlassbezogen soll es zusätzliche Tests geben: etwa am ersten Präsenztag nach den Ferien, bei Infektionen im Umfeld der Beteiligten oder auffällig vielen Ansteckungen in der jeweiligen Region.

Tonne sagte, die Tests seien freiwillig, betonte aber: «Je mehr Personen sich testen, umso geringer wird die Anzahl der unentdeckt positiven Fälle sein.» Er sprach vom «Beginn einer völlig neuen Phase» in der Pandemie.

Weiterführende Schulen seien als erste beliefert worden, weil die Viruslast bei älteren Schülern mutmaßlich höher sei, erklärte der Minister. Er stellte zudem klar, dass die Lehrer die Schüler nicht testen, sondern dabei nur beaufsichtigen sollen. Falle ein Selbsttest positiv aus, werde im Anschluss ein sogenannter PCR-Test gemacht, um sicherzustellen, ob die Person tatsächlich infiziert ist. Erst bei einem positiven PCR-Test müsse der Betroffene in Quarantäne.

Bei den Gewerkschaften stieß das Vorgehen auf Kritik. «Einmaliges, wöchentliches Testen reicht längst nicht aus und schafft nur Scheinsicherheit», sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. Gleichzeitig werde die Bürokratie auf die Spitze getrieben, weil sich das Schulpersonal um Dokumentation, Verteilung und Durchführung der Tests kümmern müsse. «Warum finden die Tests nicht statt, bevor potenziell Infizierte die Schulen betreten?, fragte Pooth. Das sei zu Hause, in Testzentren oder mit Hilfe mobiler Teams möglich.

Auch der Verband niedersächsischer Lehrer (VNL/VDR) befürchtet Probleme. So habe nicht jede Schule die erforderlichen großen und belüftbaren Räumlichkeiten, es verfüge noch nicht einmal jeder Klassenraum über ein Waschbecken, sagte Verbandschef Torsten Neumann. Zudem werde es dauern, bis die Schülerinnen und Schüler «Profis im Selbsttesten sind und die Ergebnisse sicher verwertbar sein werden». Für die Zukunft schlug Neumann die Einführung von «Schulkrankenschwestern» vor, wie es sie in Finnland schon gebe.

Für Unmut sorgt auch der Umgang mit den Kita-Kindern, die anders als die Schüler in nächster Zeit keine Corona-Selbsttests vom Land erhalten sollen. «Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor, Kinder in Kindergärten und in den Krippen zu testen», sagte Minister Tonne. Hintergrund sei, dass die Kitas nach bisherigen Erkenntnissen keine besonderen Infektionsherde seien. Der Grünen-Abgeordnete Volker Bajus kritisierte, die Regierung setze damit ihren «Kurs der Nichtbeachtung der Kleinsten» fort.

Dem Kita-Personal will das Land indes einen Selbsttest pro Woche ermöglichen. Darauf habe sich die Landesregierung mit den Kommunen und Kita-Trägern verständigt, sagte Tonne. Die daraus entstehenden Kosten übernehme das Land zur Hälfte.

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