Erneut weniger exotische Nandus nach Jagd-Freigabe

07.12.2021 Exotische Nandus werden in Mecklenburg-Vorpommern seit eineinhalb Jahren gejagt, weil Bauern sich über Schäden auf den Feldern beklagt hatten. Seither werden bei Zählungen immer weniger Tiere gesichtet.

Ein wild lebender Nandu läuft bei der Futtersuche über ein Rapsfeld. Foto: Jens B tner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Europas einzige wildlebende Nandu-Population an der Landesgrenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein schrumpft offenbar nach Freigabe der Bejagung immer weiter. Bei der traditionellen Herbstzählung Mitte November im Unesco-Biosphärenreservat Schaalsee stellten die Helfer 121 Tiere fest, wie das Umwelt- und Agrarministerium in Schwerin am Dienstag mitteilte.

Darunter waren den Angaben zufolge 70 Altvögel, 28 Jungvögel aus diesem Jahr und weitere 23 Tiere, deren Alter unklar blieb. Im Frühjahr waren noch 157 Tiere ermittelt worden, im Herbst vergangenen Jahres 291. Noch ein Jahr davor, im Herbst 2019, hatten die Zähler 456 Tiere festgestellt.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) geht davon aus, dass der Rückgang der gezählten Tiere unter anderem auf die seit April 2020 zulässige Bejagung der Nandus zurückzuführen ist. «Es ist richtig, dass die Nandu-Population eng begleitet und ihre Ausbreitung begrenzt wird.»

Nandu-Küken und Jährlinge dürfen in Mecklenburg-Vorpommern seither ganzjährig, Hähne und Hennen ab zwei Jahren vom 1. November bis 31. März geschossen werden. Zuvor hatten sich Bauern in der Gegend jahrelang beschwert, weil Nandus vor allem auf ihren Rapsfeldern erhebliche Schäden anrichteten. Die Zahl der Tiere war immer weiter angestiegen.

Durch die Bejagung seien die Tiere deutlich scheuer geworden und hätten ihre Fluchtdistanz vergrößert, so Backhaus weiter. «Damit ist das Nandu-Monitoring deutlich erschwert. Dies kann ein weiterer Grund für den Rückgang der gezählten Tiere im Vergleich zu den Zählungen der Vorjahre sein.»

Die in Südamerika beheimateten Nandus (Rhea americana) haben seit der Jahrtausendwende am Ratzeburger See eine freilebende Wildpopulation aufgebaut. Sie geht laut Ministerium auf wenige Tiere zurück, die aus einer privaten Haltung bei Groß Grönau (Schleswig-Holstein) ausgebrochen waren. Mangels natürlicher Feinde vermehrten sie sich rasch. Zweimal im Jahr werden die Tiere im Hauptverbreitungsgebiet in einer Synchronzählung erfasst.

© dpa-infocom GmbH

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