Prozess gegen Kokain-Bande: Angeklagte schweigen

22.10.2021 Deutsche Ermittler haben dank Hinweisen aus Frankreich viele Verdächtige aus der Drogenszene gefasst. In Neubrandenburg stehen nun vier Männer vor Gericht.

Handschellen sind an einem Gürtel eines Justizvollzugsbeamten befestigt. Foto: Frank Molter/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Prozess wegen bandenmäßigen Drogenhandels am Landgericht Neubrandenburg schweigen die vier Angeklagten. Wie ihre Anwälte am Freitag erklärten, werden die drei Männer aus dem Kreis Mecklenburgische Seenplatte und ein Schweriner zunächst keine Angaben zu den vorgeworfenen Drogengeschäften machen. Staatsanwalt Bernd Bethke hatte nach mehreren Anläufen seit Prozessbeginn am Freitag die Anklage vorgetragen.

Darin warf er dem 59-jährigen Hauptangeklagten und seinem 39-jährigen Bekannten aus Stavenhagen vor, sich 2020 größere Mengen an Kokain und anderer Drogen aus den Niederlanden besorgt und damit gehandelt zu haben. Insgesamt geht es laut Anklage um etwa 7,7 Kilogramm Kokain. Der 59-jährige Schweriner und ein vierter Angeklagter sollen jeweils die Fahrer bei Touren mit extra präparierten Autos nach Holland gewesen sein. Der Fall steht im Zusammenhang mit einer aufsehenerregenden Datenabfangaktion französischer Ermittler, den sogenannten Encrochat-Daten. (Az.: 23 KLs 7/21).

So soll die Gruppe Krypto-Handys verwendet haben. Die Kommunikation lief über einen Server in Frankreich und galt als abhörsicher. Seit das System geknackt war, hörten die Ermittler mit. So werden der Gruppe insgesamt elf Fälle vorgeworfen. Die Männer waren seit April 2020 überwacht und im November 2020 vom Landeskriminalamt gefasst worden. Der Einsatz fand bei einer geplanten Übergabe von Kokain in Stavenhagen statt, weitere Durchsuchungen folgten.

Im Autoversteck wurden zwei Kilogramm Kokain gefunden, die auf dem Drogenmarkt einen sechsstelligen Wert haben dürften. Die Encrochat-Daten hatten französische Behörden gewonnen. Aufgrund dieser Daten, die auch an Behörden in Deutschland gesandt wurden, sind in der EU bisher mehr als 1800 mutmaßliche Drogenhändler und andere Tatverdächtige aufgeflogen.

Die Verteidiger in Neubrandenburg kritisierten, dass das «massenhafte Abgreifen von Daten» in Deutschland gar nicht erlaubt sei. Überdies gehe aus den Unterlagen keine konkrete Tatbeteiligung hervor. Es handele sich nur um Fragmente und Interpretationen von Polizisten aus den entschlüsselten Daten. Eine echte Verteidigung sei nicht möglich. Beim Hauptangeklagten waren andere Drogen und Totschläger gefunden worden.

Der Prozess soll am 25. November fortgesetzt werden. Mit einem schnellen Ende sei nicht zu rechnen, sagte Verteidiger Frank Zindler, der ein ähnliches Verfahren in Berlin betreut. Es könne sein, dass man noch Monate oder Jahre hier verhandele.

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