Mann misshandelt und ausgesetzt: Prozess wegen Mordversuchs

14.10.2021 Eine Frau und drei Männer stehen in Neubrandenburg vor Gericht, weil sie einen Nachbarn gequält haben sollen. Ihm wurden Zeichen eingeritzt, er sollte in einem Bunker sterben. Nun steht versuchter Mord im Raum.

Das Justizzentrum Neubrandenburg mit Landgericht. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Am Landgericht Neubrandenburg hat ein Prozess um einen mutmaßlich brutalen Akt von Selbstjustiz begonnen. Die vier Angeklagten sollen einen Nachbarn in Lärz bei Rechlin (Mecklenburgische Seenplatte) schwer misshandelt, erniedrigt, gequält und in einen abgelegenen Militärbunker verschleppt haben, wo er sterben sollte, wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft vor der Schwurgerichtskammer sagte. Der 26-jährigen Hauptangeklagten und den 23, 23 und 47 Jahre alten Männern wirft die Staatsanwaltschaft versuchten Mord und Freiheitsberaubung vor. Die Angeklagten wollten sich zum Prozessauftakt nicht dazu äußern.

Der blutige Vorfall ereignete sich Ende Februar in Lärz. Die 26-jährige Hauptangeklagte habe nach einer gemeinsamen Grillfeier behauptet, der Nachbar habe ihre zwei und sechs Jahre alten Kinder wohl sexuell missbraucht. Der spätere Geschädigte hatte zuvor den sechsjährigen Jungen von der Grillfeier im Garten an dem Mehrfamilienhaus hoch in die Wohnung der Frau gebracht. Bei dem Aufenthalt in der Wohnung sollen Nacktfotos auf einem Handy entstanden sein, wobei unklar blieb, wer diese geschossen hatte.

Die Angeklagten seien danach in die Wohnung des Mannes eingebrochen, hätten ihn geschlagen, in eine Badewanne gesperrt und ihm mit einem Cuttermesser die Haare abgeschnitten. Außerdem seien ihm Tätowierungen eingeritzt worden und er habe Urin trinken müssen. Gegenüber einer Bekannten habe sich die 26-Jährige gebrüstet, nun «Genugtuung zu bekommen.» Als die Bekannte die Polizei holen wollte, sei ihr gedroht worden.

Das Quartett soll dem Opfer einen Sack über den Kopf gezogen und ihn auf ein 13 Kilometer entferntes Militärbunkergelände gebracht haben. Dort sei der 39-Jährige weiter misshandelt und schwer verletzt in einen Schacht gestoßen worden. «Dort sollte der Mann sterben, damit die Tat verdeckt bleibt», sagte die Staatsanwältin.

Das Opfer konnte sich trotz der Verletzungen aus dem Bunkerschacht am nächsten Tag allein befreien. Der Mann kam mehrere Kilometer weit und klingelte an einem Haus, deren Bewohner angesichts seiner starken Unterkühlungen und blutigen Wunden am ganzen Körper die Rettungskräfte alarmierten. Die Polizei kam dem Quartett auf die Spur.

Der Prozess hatte zunächst mit einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung an einem Amtsgericht begonnen. Nachdem dort mehrere Zeugen gehört wurden, änderte sich die Anklage auf versuchten Mord, das Amtsgericht verwies das Verfahren an das Landgericht. Für den Prozess sind zwölf weitere Verhandlungstage geplant. Ein Urteil soll im Februar 2022 gefällt werden. Das Verfahren wird am 2. November fortgesetzt.

© dpa-infocom GmbH

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