Norddeutsche Bistümer rufen Betroffene zur Mitwirkung auf

06.10.2021 Das Erzbistum Hamburg sowie die Bistümer Osnabrück und Hildesheim haben Betroffene von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche zur Mitwirkung in einem Betroffenenrat aufgerufen. Das Gremium werde auf Ebene der norddeutschen Metropolie gebildet, der die drei Diözesen angehören, teilten die Bistümer am Mittwoch mit. Der Betroffenenrat werde aus bis zu neun Personen bestehen und zum Thema sexualisierte Gewalt als Expertengremium tätig sein. Als stimmberechtigte Mitglieder könnten sich Betroffene, Angehörige von Betroffenen oder Betreuerinnen und Betreuer von Betroffenen bis zum 30. November bewerben.

Im Gegenlicht und vor wolkenverhangenem Himmel ist eine Kirchturmspitze mit Kreuz zu sehen. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein unabhängiges Auswahlgremium entscheide über die Mitgliedschaft in dem Betroffenenrat. Das gehörten die Sozialarbeiterin Sylvia Egelkamp, die Rechtsanwältin Elif Gencay, der Sprecher der Initiative Missbrauch in Ahrensburg, Anselm Kohn, die Systemische Beraterin Karin Niebergall-Sippel und der Geschäftsführer der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen, Hanspeter Teetzmann.

«Betroffene zu hören und in einem eigenen Gremium an der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche zu beteiligen, ist ein unverzichtbarer Baustein, um hier voranzukommen», sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. «Durch ihre Stimme wird auch das Leid vieler Betroffener hörbar, die sich nicht äußern können oder wollen.» Zugleich sei ihre Sicht wichtig, «um systemische Faktoren klarer zu erkennen, die sexualisierte Gewalt im Raum der Kirche ermöglichen».

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode betonte: «Viel zu sehr haben wir in der Vergangenheit - auch ich selber - vom Täter und vom Schutz der Institution Kirche her gedacht. Ich bin dankbar, dass wir seit einigen Jahren immer mehr lernen, von den Betroffenen her zu denken und zu handeln.»

Der Betroffenenrat entsende drei Personen als Mitglieder in die gemeinsame Kommission zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt auf Ebene der norddeutschen Metropolie. Die Errichtung dieser Kommission werde derzeit ebenfalls vorbereitet. Das Erzbistum Hamburg ist 1995 aus Gebieten der Bistümer Hildesheim und Osnabrück hervorgegangen.

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