Interkulturelle Woche der christlichen Kirchen eröffnet

26.09.2021 Rund 5000 Veranstaltungen in mehr als 500 Städten und Gemeinden: Im Laufe der interkulturellen Woche wollen die christlichen Kirchen für eine Gesellschaft ohne Rassismus und für Hilfe für Schwache werben.

Stefanie Zernikow, Seemannsdiakonin, spricht beim Gottesdienst im IGA Park. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit einem gemeinsamen Appell der christlichen Kirchen zu einer offenen und vielfältigen Gesellschaft ist am Sonntag in Rostock die bundesweite interkulturelle Woche eröffnet worden. In der kommenden Woche sollen in rund 5000 Veranstaltungen in mehr als 500 Städten und Gemeinden klare Positionierungen gegen Rassismus, Rechtsradikalismus und völkisch nationale Gesinnungen erarbeitet werden. Die Woche unter dem Motto #Offengeht wird von der katholischen, evangelischen und griechisch-orthodoxen Kirche sowie von Kräften der Zivilgesellschaft wie Kommunen, Verbänden oder weiteren Religionsgemeinschaften gestaltet.

«Erst Offenheit macht Gemeinschaft möglich», betonte der Hamburger Weihbischof, Horst Eberlein, in seiner Predigt. Offenheit im Herz und im Geist hätte dazu geführt, dass Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten für zahlreiche Eingewanderte zur Heimat werden konnte. «Ausgrenzung und Abschottung, Abwertung und Arroganz - wer Ressentiments schürt und die einen gegen die anderen ausspielt, hat die christliche Botschaft nicht verstanden», betonte Eberlein.

Die Interkulturelle Woche wolle mit Begegnungen und Gesprächen dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, sagte der Bischof der Nordkirche in Mecklenburg-Vorpommern, Tilman Jeremias. Vorurteile zerbröselten schnell bei direkten Kontakten. «Sobald ich jemanden gegenüber bin und merke, das ist auch ein Mensch wie ich, mit den gleichen Sehnsüchten und Problemen, brechen die Mauern ein», betonte Jeremias.

Wie die Vorsitzende des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses zur Interkulturellen Woche, Beate Sträter, sagte, ist das Motto #Offengeht als Appell an die Menschen zu verstehen, sich ein Herz zu fassen und zu versuchen, Offenheit in der Gesellschaft zu erlauben.

Sie wandte sich gegen die oft gehörte Haltung im Zusammenhang mit der Afghanistan-Krise «2015 darf sich nicht wiederholen». Damit werde vorausgesetzt, dass damals etwas Schlimmes passiert sei, was zu verhindern gewesen wäre. 2015 sei vielmehr ein Erfolgsmodell für die Gesellschaft gewesen. «Wir haben es mit großem gesellschaftlichem Engagement geschafft, dass viele Menschen einen Platz bei uns gefunden haben», betonte Sträter.

Rostock sei als Ort der bundesweiten Eröffnungsveranstaltung bestens gewählt. Die Stadt habe nach den rassistischen Vorfällen im Stadtteil Lichtenhagen 1992 gezeigt, wie sich eine Stadtgesellschaft aufgemacht habe und Rassisten eine starke Kraft entgegenstelle. «Die Stadt ist damit sehr erfolgreich. Das ist beeindruckend», sagte Sträter.

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