Studentenwohnreport 2021: Greifswald weiterhin preiswert

22.09.2021 Aus Sicht von Immobilienexperten bleibt Greifswald trotz gestiegener Studierendenzahlen ein preiswerter Wohnort. Dies gelte auch für andere ostdeutsche Unistandorte. Es habe keine Annäherung der Mietpreise zwischen Ost- und Westdeutschland gegeben, hieß es von Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), bei der Vorstellung des «MLP Studentenwohnreport 2021» am Mittwoch. Für ein standardisiertes Muster-WG-Zimmer zahle man laut den Aufstellungen in Greifswald 233 Euro, für ein vergleichbares Zimmer müsse man in Tübingen hingegen 343 Euro hinlegen. Rostock war nicht Teil des Berichts, genauso wie andere Hochschulstandorte im Nordosten. Die Finanzberatung MLP hatte 30 Universitätsstandorte in Deutschland miteinander verglichen, der Bericht wird seit 2019 jährlich gemeinsam mit dem IW herausgegeben.

Blick auf die Fassaden von Wohnhäusern. Foto: Nicolas Armer/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Was den Wohnungsmarkt in Greifswald den Ergebnissen zufolge so attraktiv macht: Neben einem im Vergleich zu anderen untersuchten Städten in Ostdeutschland, darunter Jena, hohen Angebot an Wohngemeinschaften (WG) und kleinen Wohnungen, gibt es auch sonst ein großes Wohnungsangebot. Diese größeren Wohnungen stünden den Experten zufolge also noch für die Nutzung als WG offen.

Trotzdem gilt auch für Greifswald: Die Quadratmeterpreise für kleine Wohnungen und WGs liegen deutlich über dem Durchschnitt aller verfügbaren Wohnungen. Hinzu komme der hohe Anteil der Mietkosten am Einkommen Studierender. Die Experten fordern von der Politik, Studierende wegen ihrer Bedeutung für die Zukunft des Landes stärker in den Fokus zu rücken. Im Wahlkampf hätten sie kaum eine Rolle gespielt, obwohl sie mit drei Millionen eine große Wählergruppe bilden.

Einem Mietendeckel, wie ihn Berlin eingeführt hatte, stehen die Experten zudem kritisch gegenüber. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen hätten einen deutlichen Einbruch beim Angebot in Berlin gezeigt. Daher helfe solch eine Maßnahme nur denen, die bereits eine Wohnung haben und sie mache Investitionen in den Bestand unwahrscheinlicher. Der Report plädiert stattdessen für mehr Wohnungsbau, dies habe in anderen Städten zu einem Absinken der Mieten geführt.

In Zukunft könnten die Kosten für Studierende aber auch in Greifswald steigen. Ostdeutschland habe insgesamt ein hohes wirtschaftliches Aufholpotenzial. Gemeinsam mit der Wirtschaftsentwicklung könnten dann auch die Mieten steigen, so Voigtländer. Auch habe die Corona-Pandemie zu einer «kleinen Atempause» auf dem Wohnungsmarkt in Deutschland geführt, dies könne sich im Anschluss wieder ändern.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News